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Weliki Nowgorod, Heimat Russlands (Ursprung)

Weliki Nowgorod, durch den Fluss Wolchow in Sophien- und Handelsseite geteilt, ist eine der ältesten Städte Russlands. Die Stadt ist über tausend Jahre alt! Hier hatte das alte Fürstengeschlecht der Rjurikiden, (russisch: Rjurikowitschi), angefangen, aus den später die Zarendynastie entstand. Hier wurden der Kreml, früher Detinez genannt und die Sophienkathedrale, die älteste Kathedrale Russlands, erbaut. 1136 wurde hier die eigene Nowgoroder Republik gegründet, sie wurde zum Anfang der russischen Staatlichkeit. Historische Denkmäler der Stadt und ihrer Umgebung gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Vor einigen Jahren wurde Weliki Nowgorod zu der am besten gestalteten und gepflegten Stadt Russlands erklärt!

Weliki Nowgorod wurde 859 gegründet. Der Legende nach haben zu dieser Zeit die Einwohner der Stadt den warägischen Fürst Rjurik zu sich gerufen. Er hat sich am Ufer von Wolchow niedergelassen, an der Stelle, wo der Fluss dem See Ilmen entspringt. Heute ist dieser Ort als Rjurik-Wallburg, (Rjurikowo Gorodischtsche), bekannt. Bis heute werden dort archäologische Ausgrabungen durchgeführt. Im 11. Jahrhundert hat sich Nowgorod unabhängig von Kiew gemacht und wurde zur ersten freien Republik der feudalen Rus. Zu Ehren dieses Ereignisses wurde auf dem malerischen Wolchow-Ufer der erste Kreml aus Holz gebaut, der Detinez. Kurz danach wurde die erste Kathedrale aus Stein errichtet: die Sophienkathedrale, die heute als älteste, erhaltene Kathedrale Russlands gilt.

Dank der günstigen Lage der Stadt auf dem wichtigsten Handelsweg, «von den Warägern zu den Griechen», also von Skandinavien bis ins Byzantinische Reich, entwickelte sich Weliki Nowgorod zum größten Zentrum der alten Rus. Die unabhängige Nowgoroder Republik machte erfolgreich den großen europäischen Staaten und dem Hansebund Konkurrenz, der seit dem 12. Jahrhundert bis Mitte des 17. Jahrhunderts knapp 300 Handelsstädte Europas vereinigte. Das 12. Jahrhundert wurde für Weliki Nowgorod zur Blütezeit. Historiker berichteten, dass der Nowgoroder gemeine Mann lese- und schreibkundig war und statt Bastschuhen Lederstiefel trug; in Weliki Nowgorod wurden die Straßen früher gepflastert als in Paris und London.

Nachdem Peter I. im frühen 18. Jahrhundert die neue Hauptstadt, Sankt Petersburg, im Norden des Russischen Reiches gegründet hatte, verlor Weliki Nowgorod seine strategische Bedeutung. Zur Erinnerung an das tausendjährige Jubiläum des Beginns der Herrschaft Rjuriks in Rus wurde 1862 auf dem Gelände des Nowgoroder Kremls das Denkmal, «Tausend Jahre Russland» errichtet, das erste Monument zu Ehren eines Staates.

Weliki Nowgorod hat während des Großen Vaterländischen Krieges sehr gelitten. Es wurde durch die deutschen Truppen eingenommen, die Dutzende von Kirchen geplündert und hunderte wertvolle Ikonen und andere Kulturobjekte nach Deutschland gebracht haben. Anfang der 1950er Jahre, als die Schrecken des Krieges vorbei waren, fingen im historischen Teil der Stadt archäologische Ausgrabungen an, die bis heute dauern. Die größte Forschungsstätte wird Troizki raskop, (deutsch: Ausgrabung), genannt und befindet sich nicht weit vom Kreml. Hier wurden hunderte Birkenrindentexte, Geschirr, Schmuckstücke, Musikinstrumente, militärische Ausrüstung geborgen, es wurden auch Reste von mehreren Stadtvillen aus dem 11. bis 15. Jahrhundert entdeckt. Heute können die Touristen eine Führung durch diese Ausgrabungen mitmachen, das sogenannte Theater der Zeit, (russisch: Teatr wremeni), besuchen: man steigt zu einer Bodenebene ab, die aus dem 10. Jahrhundert stammt. Seit 1992 gehören die historischen Denkmäler von Weliki Nowgorod zum UNESCO-Weltkulturerbe.

In den letzten Jahren wird in Weliki Nowgorod die traditionelle regionale Küche wiederbelebt. Im Sommer und im Herbst finden hier einige gastronomische Festspiele statt, zu dieser Zeit bieten städtische Restaurants ihren Gästen einen besonderen Nowgoroder Speiseplan an. Grundlage dieses Menüs sind im Ofen gedünstete Gerichte. Viele Lokale bieten Fischgerichte aus dem im Ilmensee gefangenen Fisch an. Als Zutaten werden Beeren und Pilze aus den Nowgoroder Wäldern im großen Stil verwendet. Auf der Speiseliste der örtlichen Restaurants kann man wahre Meisterwerke russischer Küche entdecken: braun gebratene, mit Waldpilzen oder Hechtroggen gefüllte Plinsen, altrussische Kohlsuppe, (russisch: Schtschi), kleine Buletten aus Bärenfleisch mit Preiselbeersauce, mit Buchweizen gefüllte und im Ofen gebackene Äpfel. Als traditionelle russische Getränke werden verschiedene Liköre, russischer Kwas und Medowucha, (Honigschnaps), angeboten. Es lohnt ich, eine lokale süße Spezialität zu kosten: Sultschiny. Das sind kleine, mit Hirsebrei gefüllte Roggenteigtaschen. Sie werden heiß mit zerlassner Butter serviert. Es wurde überliefert, dass selbst Katharina II. auf dem Weg von Petersburg nach Moskau in Weliki Nowgorod Rast gemacht hatte, um diese Köstlichkeit zu genießen.

Das Kulturleben von Weliki Nowgorod ist reich an Ereignissen. Viele spektakuläre Feste finden in Witoslawlizy, einem Freilichtmuseum für Holzbaukunst, statt. Im Januar wird hier ein Heilige-Tage-Fest, (russisch: Swjatki), organisiert, mit Volksspielen, rituellem Mahl und Winterbelustigungen. Im Herbst findet hier das Glockenspiel-Festival, «Swonarskoje wetsche», (zu Deutsch: Glöckner-Versammlung), statt, wo man nicht nur die wunderbaren Klänge aus Meisterhand genießen kann, sondern sich auch in dieser komplizierten Kunst versuchen.

Ein anderes beliebtes Nowgoroder Festival, «Sadko», ist der Volkskunst und den Handwerkern gewidmet. Es findet im Juni im Kreml und auf dem Jaroslaw-Hof, (russisch: Jaroslawowo dworischtsche), statt. Während des Festivals treten Chöre und Tanzensembles aus der ganzen Welt auf. Man kann auch einzigartige Souvenirs erwerben: Flickendecken, Keramikschalen oder aus Weide geflochtene Schatullen. In den Sommermonaten findet im Kreml am Kokui-Turm eine echte interaktive Show statt: es werden Szenen aus dem mittelalterlichen Leben von Nowgorod nachgespielt. In den letzten Jahren wurde Weliki Nowgorod durch seine zahlreichen gastronomischen Festivals berühmt, z.B. die Sommerfestivals, «EstFesta» und «Ilmen FOOD Fest». An diesen Veranstaltungen kann man köstlichste Gerichte der Nowgoroder Küche probieren, z.B. in Wachholderschnaps eingelegte Salzrenke oder Plinsen mit Quappe, Hirse und Wildkräutern.

Um Weliki Nowgorod in seiner vollen Pracht kennenzulernen, sollte man es im Frühling oder im Sommer besuchen. Diese Jahreszeiten passen hervorragend für gemächliche Spaziergänge durch die alten Straßen der Sophienseite mit ihrem gewaltigen Detinez und der majestätischen Sophienkathedrale, deren Glockenturm über eine Aussichtsplattform verfügt. Auf der Handelsseite ist in der warmen Jahreszeit ein eigenartiger Hanse-Brunnen in Betrieb; die altertümlichen Kirchen, z.B. Christi-Verklärungs-Kirche in der Iljin-Straße, (russisch: Iljina uliza), sind in Blumen eingebettet. Im Sommer finden im Kreml, auf dem Jaroslaw-Hof und im Museum für Holzbaukunst Witoslawlizy, zahlreiche Feste und Festivals statt; den Gästen werden Kwas, heiße Sultschiny, (gefüllte Plinsen aus Roggenmehl) und leckerer Fisch aus dem Ilmensee angeboten. Auf dem Wolchow schiffen Ausflugsdampfer, vom Fluss aus sieht Nowgorod genauso aus wie es hunderte Jahre zuvor von Fürsten, die aus ihren fernen Feldzügen zurückkehrten, und Kaufleuten, die ihre Ware aus Skandinavien nach Byzanz brachten, gesehen wurde.

Wie zu erreichen

Weliki Nowgorod besitzt keinen zivilen Flughafen. Die naheste Flugverbindungsmöglichkeit bietet der Flughafen Pulkowo in Sankt Petersburg, der 175 Kilometer von Weliki Nowgorod entfernt liegt. Die beiden Städte sind durch Bus- und Eisenbahn-Regelverkehr verbunden. Ein Zug aus Sankt Petersburg fährt bis zur Station Nowgorod-am-Wolchow, (Nowgorod-na-Wolchowe), knapp zwei Stunden. Die Reise aus Moskau nach Weliki Nowgorod dauert ca. acht Stunden, die Züge fahren einmal pro Tag.

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