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Staraja Ladoga: Wiege der Rus und Freilichtmuseum

Das Dorf Staraja Ladoga kann man in einer halben Stunde abgehen, aber seine Vergangenheit ist legendär. Hier, an den Ufern des Flusses Wolchow, wurde Mütterchen Russland geboren. Nicht umsonst wird Ladoga erste Hauptstadt des Alten Rus genannt. Hier begann die Herrschaft des Gründers des altrussischen Staates, in Chroniken eingegangener Waräger Rjurik, bevor er Fürst von Nowgorod wurde. Ein Besuch dieses Ortes lohnt sich: man kann den Austragungsort der berühmten Schlacht an der Newa und uralte Klöster besichtigen.

Die günstige geographische Lage am Südufer des Ladogasees, dem entlang der Handelsweg von den Warägern zu den Griechen verlief, führte dazu, dass Ladoga im 9. Jahrhundert zu einem großen Politik- und Handelszentrum wurde. Aber 1703, nachdem Sankt Petersburg gegründet wurde, hatte Peter I. an der Wolchow-Mündung Nowaja Ladoga, (deutsch: neue), gegründet, und Ladoga wurde zu Staraja Ladoga, (deutsch: alte), umbenannt; danach verlor es seine einstige Bedeutung und wurde zu einem Dorf.

Fast am Ortsausgang von Staraja Ladoga befindet sich der Waldort Sopki, (deutsch: Hügel): am Flussufer erheben sich drei Grabhügel. Der Legende nach ruht im höchsten Hügel, der nahe Verwandte von Rjurik, Fürst Oleg, der Nord- und Südteile der Rus vereinigt hat. Das ist derselbe Feldherr, dem der russische Dichter A. S. Puschkin sein Lied vom weisen Oleg gewidmet hatte. Ein Besuch dieses historischen Ortes lohnt sich, dank einer wunderbaren Aussicht auf Kirchen und Glockentürme der Klöster.

Wie vor vielen Jahren ist Staraja Ladoga auch heute Zentrum des religiösen Lebens Russlands. Hier befinden sich zwei Klöster: das Nikolaus-Männerkloster, (deutsch: Nikolski muzhskoi monastyr) und das Entschlafens-Nonnenkloster, (deutsch: Uspenski zhenski monastyr). Auf dem Gelände des Nonnenklosters erhebt sich die Entschlafens-Kirche aus dem 12. Jahrhundert, das älteste erhaltene Muster der Steinbaukunst von Nowgorod. Die berühmteste Novizin des Entschlafens-Nonnenklosters war die erste Gattin Peters I., Jewdokija Lopuchina. Sie lebte im Kloster von 1718 bis 1725.

Im historischen Staraja Ladoga gibt es immer viele Touristen. Diejenigen, die mit Pilgergruppen hierher kommen, dürfen in der Regel im Refektorium des Klosters speisen. Andere Reisende werden im Ort, Lokale mit örtlichen Gerichten finden. Hier wird z.B. überbackene Renke serviert, die auf der Speisekarte als Geschenk von Ladoge, (russisch: podarok Ladogi), geführt wird. Unter anderem findet man hier Schweinerouladen, Kohlsuppe nach Bojaren Art, (russisch: bojarskije schtschi), selbstgemachte Pelmeni, Fischkuchen, (russisch: Rasstegai), Sauerkraut mit Moosbeeren. Das Roggenbrot wird hier aus Vollkornmehl ohne Hefe gebacken. Tee aus frischgeernteten Weidenröschen, (russisch: iwan-tschai) hilft, den Durst zu löschen und gleichzeitig die Gesundheit zu stärken, (diese Pflanze wächst in der Umgebung von Staraja Ladoga), dafür sorgen auch Sbiten, (ein Heißgetränk aus Wasser, Honig und Gewürzen) und Medowucha, (ein altes russisches alkoholhaltiges Getränk mit ausgeprägtem würzig-süßem Honiggeschmack), die nach Klosterrezepten zubereitet werden.

Staraja Ladoga ist ein echtes Freilichtmuseum. Hier kann man Expositionen des Museumreservats Staraja Ladoga im Torturm, (russisch: Worotnaja baschnja), in den Häusern des Kaufmanns A. W. Kaljasin, auf dem Landgut Uspenskoje besichtigen. Sehenswert ist auch die s.g. Erdstadt, (russisch: semljanoi gorod), d.h. auf den Erdwällen aus dem 16. Jahrhundert. Sehr schön ist auch ein Spaziergang durch die alte Waräger-Straße, (russisch: Warjashskaja uliza), welche Erinnerungen an erste skandinavische Aussiedler zu hüten scheint.

Wie zu erreichen

Es gibt drei Möglichkeiten, Staraja Ladoga zu erreichen. Mit dem Auto fährt man aus Sankt Petersburg über die Autobahn М18, nach 127 Kilometer soll man vor der Wolchow-Brücke rechts abbiegen. Mit einem Nahverkehrszug fährt man vom Ladoshski oder Moskauer Bahnhof bis zur Station Wolchowstorj, dann mit dem Bus Nr. 23 bis zum Dorf Staraja Ladoga. Man kann auch am Busbahnhof am Obwodnoi-Kanal einen Bus nach Tichwin-Lodejnoje Pole nehmen, an der Haltestelle Juschkowo umsteigen und dann den Bus Nr. 23 Richtung Stadt Wolchow nehmen.

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