5 Bilder

Kingissepp: Festung Jam am Luga-Ufer

Kingissepp ist eine einzigartige Stadt. Seine Katharinenkathedrale kann mit den schönsten Kirchen von Sankt Petersburg mithalten, und die Mauern der Festung Jam hüten die Geheimnisse des russischen Mittelalters. Im städtischen Heimatmuseum wird Pylwilina aufbewahrt, ein Frauenkleidungsstück des finnischen Woten-Stammes. Das ist ein Ausstellungsstück, das kein anderes Museum der Welt besitzt! Mit einem Wort ist Kingissepp eine Überraschungsstadt.

Kingissepp hat sich aus der Wehrfestung Jam entwickelt, die die nordwestlichen Grenzen des Fürstentums Nowgorod seit 1384 verteidigte. Sie hatte zweihundert Jahre lang Angriffe von Schweden und Liven abgewehrt. Ihr Name wurde vom Namen des finnischen Stammes «Häme» abgeleitet. Später hatte sich die politische Lage verändert: entsprechend dem Friedensvertrag ging die Festung und das um sie herum gewachsene Städtchen Anfang des 17. Jahrhunderts an Schweden über. Die Schweden haben die Stadt Jamburg genannt, (was Festung Jama bedeutet).

1703 wurde dieses Territorium dem Russischen Reich zurückgegeben. Zar Peter der Erste wollte die von den Schweden zerstörte Festung wieder aufbauen, war aber verstorben, bevor diese Angelegenheit erledigt wurde. Bis heute kann man im historischen Stadtkern von Kingissepp Ruinen der nördlichen Bastionen der Festung Jam sehen. Unter diesen Ruinen sind Fundamente, unterirdische Gänge und Räume erhalten. Ende des 20. Jahrhunderts haben Archäologen diese Anlagen untersucht und erfahren, wie die Russen im Mittelalter Kriege führten, und inwiefern sich ihre Methoden von den europäischen unterschieden. Die Festung Jam wurde in die neue Touristenroute im nordwestlichen Teil Russlands Silberring bzw. Silberkette aufgenommen. Städte und Objekte auf dieser Route berichten über die ruhmreiche Vergangenheit der Städte.

Im Mai 1922 bekam die Stadt einen neuen Namen: sie wurde nach dem estnischen Revolutionär Viktor Kingissepp benannt. Während des Zweiten Weltkriegs und der Leningrader Blockade befand sich Kingissepp fast vier Jahre lang unter Kontrolle der deutschen Wehrmacht und wurde fast völlig zerstört. Kingissepp wurde dank der Industrie wiederaufgebaut. 1963 nahm hier das Kombinat für Düngerherstellung Phosphorit seine Arbeit auf. Es gab Tausenden Menschen Arbeit. Dadurch wurde die Stadt neu aufgebaut und bevölkert. Über Kingissepp verläuft der Weg zwischen Russland und den Baltikums-Länder: in 20 Fahrminuten kann man Iwangorod, Narwa und die russisch-estnische Grenze erreichen!

Heutzutage kommen Gäste für ein paar Tage nach Kingissepp, um die elegante Katharinenkathedrale zu sehen, durch die Ruinen der Festung Jam zu schlendern und die berühmten Neunaugen unbedingt zu probieren. Das sind ungewöhnliche Tiere, die mit den Fischen keine Ähnlichkeit haben. Diese Delikatesse ist an beiden Luga-Ufern beliebt und geschätzt. Die Esten behaupten, dass Neunaugen zu ihrer nationalen Küche gehören, die Russen bestreiten das. So oder so, die Neunaugen in Kingissepp sind vorzüglich. Man sollte sie in den lokalen Restaurants suchen und unbedingt probieren. Wichtig ist zu beachten, dass Neunaugen ein Saisongericht ist. Am besten genießt man sie Ende November oder im Dezember. Allerdings werden im Frühling und im Sommer im Rahmen von verschiedenen städtischen Veranstaltungen, ab und zu gastronomische Märkte organisiert, wo diese Delikatesse auch zu finden ist. Man kann sie z. B. am Geburtstag der Stadt, am 2. Juli, kosten.

Die Einwohner von Kingissepp gelten trotz ihres rauen Aussehens als empfindsam und sentimental. Sie lieben es, wenn die Gäste sich für Geschichte und Sehenswürdigkeiten ihrer geliebten Stadt begeistern. Also erklären sie den Fremden gerne den Weg, empfehlen ein gutes Café und erzählen etwas über die geliebte Stadt, so dass jeder Tourist sich hier gleich wohl fühlt.

Wie zu erreichen

Man erreicht Kingissepp am einfachsten aus Sankt Petersburg. Von Hauptbahnhof fahren mehrmals am Tag die Linienbusse Nr. 841 und Nr. 851, eine Fahrt dauert knapp drei Stunden. Durch die Stadt fahren auch Fernbusse, für die Kingissepp ein Zwischenstopp ist; sie fahren nach Iwangorod oder nach Tallinn. Es gibt auch Linientaxis, sie fahren, wenn sie voll besetzt werden, von den U-Bahnstationen Ligowski Prospekt und Obwodnoi Kanal ab.

Man kann nach Kingissepp auch mit dem Nahverkehrszug kommen, er fährt einmal pro Tag abends vom Baltijski-Bahnhof ab, eine Fahrt dauert ca. 2 Stunden und 40 Minuten.

mehr anzeigen