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Saratow, stille Hauptstadt des Wolga-Gebiets

Saratow war lange ein Vorposten Russlands im Südosten des Reiches. Im Laufe ihrer Geschichte hatte diese Stadt Altgläubige, (Gegner der Reformen des Patriarchen Nikon), deutsche Kolonisten und gefangene Franzosen aufgenommen. Das ganze Leben der Stadt ist mit dem großen russischen Fluss Wolga verbunden. Deshalb kommen Touristen in der ersten Linie hierher, um Wolga-Landschaften zu bewundern und auf der Uferpromenade spazieren zu gehen. Und natürlich um alte Stadtvillen im Stadtkern zu sehen, wunderschöne Kirchen zu bewundern und den berühmten örtlichen Kolatsche zu probieren.

Saratow hatte seine Lage zweimal geändert, bevor es sich 1674 auf Sokolowaja Gora, (deutsch: Falkenberg), über der Wolga endgültig niederließ. Ende des 16. Jahrhunderts kamen russische Kosaken hierher, um die Ostgrenzen der Rus zu schützen. Wissenschaftler meinen, dass Saratow seinen Namen auch dem Falkenberg verdankt. Angeblich entstand die Stadt am hohen Wolga-Ufer, wo dieser Berg der auffälligste war. Er hob sich von der Umgebung durch seine gelbe Bodenfarbe hervor. Die Einheimischen nannte ihn Sary tau, was auf Tatarisch Gelber Berg bedeutet.1780 wurde die Stadt zum Zentrum des Gouvernements, danach wuchs und entwickelte sie sich rasant. In 300 Jahren wurde sie zu einer der schönsten und gemütlichsten russischen Städte. Die Wolga-Uferpromenade, alte Bebauung im Stadtzentrum, wunderbare Kirchen von Saratow machen es für Touristen attraktiv. Die Gebäude des Saratower Konservatoriums, des Kunstmuseums, der Dreifaltigkeitskathedrale sind denkmalgeschützte Objekte und gehören zum Kulturerbe. Ungewöhnlich für eine russische Stadt sind Überreste des deutschen Stadtviertels, einige Stadtvillen und Fragment der katholischen Kathedrale in der Nemezkaja-Straße, (deutsch: Deutsche Straße). Sie ist eine Erinnerung an die Tausenden Wolgadeutschen, die hier lebten.Die Einwohner von Saratow sind auf den ersten Zirkus Russlands stolz, der hier 1876 eröffnet wurde. Das Gebäude des Russischen Zirkus der Brüder Nikitin befand sich bis 1928 in einer großen Grünanlage, die jetzt ihren Namen trägt. Im neuen Zirkusgebäude, das auf derselben Stelle gebaut wurde, hatte 1961 der Sonnen-Clown Oleg Popow, der heute weltweit berühmt ist, seine ersten Auftritte.Wenn man nach Saratow kommt, sollte man Zeit für einen Besuch im Raditschtschew-Museum einplanen. Das 1885 eröffnete Museum gehört zu den besten, russischen Kunstmuseen. In der Museumssammlung gibt es Ausstellungsstücke aus der Eremitage, Gaben von Mäzenen und russischen Künstlern, sowie Gaben des Kaisers Alexander III.; übrigens wurde der Entwurf des Museumsgebäudes vom Kaiser höchstpersönlich gebilligt.Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gilt Saratow als inoffizielle Hauptstadt des Wolga-Gebiets. In der Rangliste der finanziell attraktiven Städte gehört Saratow seit einigen Jahren zu den ersten zwanzig Städten Russlands, Moskau und Sankt Petersburg ausgenommen. Im 19. Jahrhundert galt Saratow als Mehl-Hauptstadt Russlands. Die örtlichen Mühlen verarbeiteten riesige Mengen Getreide, danach wurde das Mehl über die Wolga mit Lastkähnen verschifft. Aus dem örtlichen «hellblauen» Mehl wurden hier nach einem Sonderrezept die berühmten Saratower Kolatschen gebacken. Ein echter Saratower Kolatsche war so luftig, dass er seine Form wiederherstellte, nachdem man sich speziell auf ihn draufgesetzt hatte, um seine Qualität zu prüfen! Die Kolatschen werden auch heute gebacken. Heute wird der Saratower Kolatsche den frisch getrauten Eheleuten übergeben; er ist im Firmengeschäft des Saratower Backwarenkombinats zu kaufen.Die zweite kulinarische Spezialität von Saratow ist selbstverständlich Fisch. Auf dem Wappen von Saratow sind drei Sterlete abgebildet. Die leckerste Fischsuppe aus diesem Fisch wird in vielen örtlichen Restaurants serviert. Außer Sterlet sollte man unbedingt Zander in Aspik und gebratenen Wels probieren. Und Flusskrebse werden in Saratow bis heute nicht stückweise, sondern eimerweise gegessen! Als Souvenir kann man in den berühmten städtischen Markthallen, den nach einer besonderen Saratower Art gesalzten Fisch kaufen. Dieser Salzfisch ist unglaublich durchsichtig und besitzt einen unvergleichbaren Geschmack. Saratow hat auch süße Spezialitäten. Das sind das berühmte Dessert Wolga, das mehrere Generationen der Stadteinwohner immer noch genießen und Pralinen der Süßwarenfabrik Konfeshn. Schachteln mit Schokopralinen werden in allen Lebensmittelgeschäften und Souvenirläden von Saratow angeboten.Als weiteres Souvenir sollte man sich Erzeugnisse aus dem berühmten Stoff «sarpinka» merken. Seit Ende des 17. Jahrhunderts stellten die deutschen Kolonisten des Wolgagebiets diesen Baumwollstoff her. Der echte gestreifte oder karierte Sarpinka-Stoff ist sehr haltbar und wurde gerne für die Bekleidungsfertigung verwendet.

Wie zu erreichen

Saratow liegt 750 km von Moskau entfernt. Es gibt Eisenbahnverbindungen mit Moskau, Sankt Petersburg und anderen Städten. Züge aus Moskau fahren vom Pawelezki Bahnhof ab, eine Fahrt dauert etwa 15 Stunden. Saratow verfügt über einen internationalen Flughafen. Ein Flug aus Moskau dauert 1,5 Stunden.

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