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Samara — die großzügige Seele und Flügel Russlands

Die ersten urkundlichen Zeugnisse über die Siedlungen an der Stelle des heutigen Samaras wurden vor mehr als tausend Jahren verzeichnet, und zwar von einem Ausländer. Ein arabischer Beamter ibn Fadlan besuchte 921 Wolgabulgarien. In seiner Abhandlung «Risala» erwähnt er unter anderem den Fluss Samur, der heutzutage als Samara bekannt ist. 400 Jahren später gaben weitere Ausländer, venezianische Kaufleute Pizzigano, nach ihrer Reise in die russischen Länder die Anlegestelle Samar auf der Karte an. Samara ist damit eine der ältesten russischen Städte. Und einen Touristen erwarten hier wahre Entdeckungen.

Am Ufer des Samara-Flusses hat 1586 der Fürst Grigory Sassekin eine Festung errichtet, die die Überwachung über die neuentstandene Stadt, sowie über den Mittellauf der Wolga gewährleisten sollte. Zum Anfang des 18. Jahrhunderts brannte diese Festung nieder, und eine neue wurde aufgebaut, deren Überreste während der Ausgrabungen an dem Chlebnaja-Platz (Getreideplatz) entdeckt wurden. So behauptete sich die Stadt Samara auf der Karte.

Mitte des 19. Jahrhunderts ist Samara zu der Hauptstadt des Samarer Gouvernements geworden. Auf dieselbe Zeit fällt seine stürmische wirtschaftliche Entwicklung. Samara wurde zur Kornkammer des Russischen Kaiserreiches: hier wurden die größten Ernten an Weizen im Land eingebracht! In der Stadt entstanden viele Mühlen und Getreidespeicher, Brotläden wurden eröffnet. Drei Mal jährlich fanden hier Jahrmärkte statt, Kolonialwaren waren auch vorhanden. In der Stadt gab es insgesamt 375 Prototypen der modernen Kaufmärkte.

Die Oktoberrevolution 1917 wurde in Samara als eine vollendete Tatsache hingenommen: der Revolutionär Walerian Kuibyschew verkündete den Sieg der Sowjetmacht von der Bühne des örtlichen Zirkus. Aber ein halbes Jahr später vereinigten sich die ortseingesessenen Aufständischen mit der Tschechoslowakischen Legion und stürzten die neue Macht. Vorübergehend übernahm die Macht Komutsch — das Komitee der konstituierenden Versammlung. Samara wurde zur Hauptstadt der Russischen Republik erklärt, die aus den Städten gegründet wurde, welche von den Tschechen besetzt wurden. Einige Wochen vor dem ersten Jahrestag der Oktoberrevolution wurde Samara wieder sowjetisch — die Tschechen zogen sich zurück, und die Rotarmisten unter der Führung von Wassili Tschapajew betraten die Stadt. Zum Ehren des legendären Revolutionärs wurde in Samara ein Platz benannt, wo das Denkmal für Tschapajew-Kampfgefährten steht. Und Samara selbst verlor 1935 seinen historischen Namen: bis 1991 hieß die Stadt Kuibyschew.

Während des Großen Vaterländischen Krieges wurde ein geheimer Beschluss Nr. 801ss verabschiedet, der die Evakuierung der sowjetischen Hauptstadt aus Moskau nach Kuibyschew vorschrieb. In der «Ersatzhauptstadt» nahmen diplomatische Vertretungen, Industriebetriebe und andere Dienststellen, die aus Moskau umgezogen waren, ihre Arbeit wieder auf. Schauspieler vieler hauptstädtischer Theater wurden hierher evakuiert, Dmitri Schostakowitsch komponierte die 7. Leningrader Sinfonie gerade hier zu Ende. Und für Josef Stalin wurde in Kuibyschew binnen kürzester Zeit ein Bunker gebaut. Bis jetzt ist es unbekannt, ob der Oberbefehlshaber ihn je besucht hat, aber heute ist es das beliebteste Touristenziel in der Stadt, besonders unter den Ausländern. Während des Krieges wuchs die industrielle Produktion in Kuibyschew um das Fünffache. Die Stadt leistete einen bedeutenden Beitrag zum gemeinsamen Sieg: hier wurden mehr als 28 Tausend Flugzeuge Il-2 und Il-10 gebaut.

Samara hat so manche Gründe stolz zu sein. So wurde Samara, zum Beispiel, im Jahre 1915 unter allen russischen Städten berühmt, als bekannt wurde, dass hier die Straßenbahn, welche zu Gänze aus heimischen Materialien angefertigt wurde, erstmals in Russland die Pferdebahn ersetzte. Ausgerechnet Samara hat das Land «Shiguli»-Bier zu verdanken, das in der gleichnamigen Brauerei gebraut wird. Hier arbeitet auch die Schokoladenfabrik, deren Slogan «Russland — die großzügige Seele» allen im Lande bekannt ist. Ausgerechnet in dieser Stadt wurden Tu-154, das meist verbreitete sowjetische Verkehrsflugzeug mit Strahltriebwerk, sowie Trägerraketen aus der Familie R-7 hergestellt, die allen russischen und sowjetischen Kosmonauten dienten. Der Bahnhof Samara ist der höchste in Europa, und die hiesige Uferpromenade gilt als die längste in Europa!

Da Samara an der Wolga liegt, legte die regionale Küche immer einen besonderen Wert auf Fischgerichte: Ucha (Russische Fischsuppe), Hechtfrikadellen, Fischsoljanka (säuerlich-scharfe Suppe), Zander mit Gemüsebelag überbacken. Unter den Desserts sind Gerichte mit Kirschen beliebt, weil es in der Umgebung viele Kirschgärten gibt. Im Dorf Schirjaewo findet im August sogar ein Kirschkuchenfest statt. Eine ausgezeichnete Zeit, sich mit den samarer Feinschmeckertraditionen vertraut zu machen, ist der Tag der Stadt, der am zweiten Septembersonntag feierlich begangen wird.

2018 werden in Samara die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen. Zu diesem Zweck wurde die Stadion «Samara Arena» gebaut, die fast 45 Tausend Zuschauer aufnehmen kann. Es wird behauptet, dass diese Sportanlage der Kapazität nach die größte unter allen Spielstätten ist, die die Fussball-WM 2018 empfangen. Es wurde auch eine neue Straße zur Stadion angelegt, die den Namen Arena-2018 bekommen hat.

Samara ist ein großes Industriezentrum, wo sowohl ausgezeichnete Schokolade, als auch schmackhaftes Bier, und Ersatzteile für Flugzeuge hergestellt werden. Aber es gibt hier auch eine Menge von Orten, die einen Spaziergang und eine Besichtigung wert sind. Und die klassischen Wolga-Landschaften bleiben lange im Gedächtnis jedes Reisenden haften.

Wie zu erreichen

Mit einem Flugzeug dauert der Weg nach Samara von Moskau oder St.-Petersburg weniger als zweieinhalb Stunden; und mit einem Zug jeweils von 13 bis 23 Stunden oder von 18 Stunden bis anderthalb Tage. Samara besitzt einen internationalen Flughafen «Kurumotsch». Von Europa und Asien kann man Samara mit einem Umstieg in Moskau erreichen (es gibt eine direkte Verbindung nach Prag).

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