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Omsk: Von einer Festung bis zum Industriezentrum Sibiriens

Omsk — eine Millionenstadt in Sibirien. Der Ort, an dem Dostojewski in seiner Verbannung lebte und der Geburtsort des Malers Michail Wrubel, die «Dritte Hauptstadt» Russlands in den Jahren des Bürgerkrieges und die Heimatarena des berühmten Eishockey-Clubs «Awangard»... Omsk hat viele Gesichter und viele Geschichten, die es einem interessierten Zuhörer erzählen kann. Die Stadt, die im Jahr 2016 üppig ihren 300-jährigen Jubiläumstag feierte, kann stolz auf ihre interessante und vielfältige historische Architektur sein, einem Reichtum an ungewöhnlichen Skulpturen und Monumenten und einem reichhaltigen Kulturleben und einer deftigen sibirischen Küche.

Die Vorgeschichte der Stadt Omsk begann noch als der legendäre Ermak begann am Ende des XVI. Jahrhunderts Sibirien zu erschließen, unter anderem die Ländereien, die heute vom Omsker Oblast eingenommen werden. Die angeschlossenen Gebiete brauchten Schutz, weshalb auf der Karte eine Stadtfestung nach der anderen entstanden sind — Tjumen, Tobolsk, Tara, Obdorsk (heute Salechard), Tomsk und Krasnojarsk. Die nächste Stadt in dieser Liste konnte Omsk werden, denn noch im Jahr 1628 schickten tarische Heerführer dem Zaren Michail Romanow eine Bittschrift, in der sie sich über die Schäden häufiger Angriffe der Kalmücken beklagten und vorschlugen in der Nähe des Flusses Om eine neue Festung zu errichten. Der Zar stimmte der Idee zu und erließ auch eine entsprechende Verordnung, deren Ausführung jedoch aufgrund unterschiedlicher Umstände auf mehrere Jahrzehnte verschoben wurde.

Diese Frage wurde erst unter Peter dem Großen behandelt. Der progressive Herrscher suchte nach Mitteln, um die südöstlichen Grenzen Russlands zu schützen, die Vorräte an Bodenschätzen in der Region zu erkunden und nebenbei auch die Handelsbeziehungen mit China und Indien aufzubauen. Zu diesem Zweck schickte er nach Sibirien eine Reihe von Expeditionen. Eine dieser Expeditionen fand im Jahr 1714 statt und wurde vom Oberstleutnant Iwan Dmitrijewitsch Buchholz geleitet — ein langjähriger Mitkämpfer von Peter dem Großen. Der Auftrag des Zaren war kurz, jedoch inhaltsreich: «Fahre nach Tobolsk und gehe, nach dem du beim Gouverneur Menschen bekommst, zum Jamyschew See und errichte dort Städte». Der Auftrag endete mit den Worten: «Im Übrigen, agiere nach der Situation, wie es sich für einen ehrlichen und gewissenhaften Offizier gehört». Über die Abenteuer einer nicht allzu erfolgreichen Expedition von Buchholz könnte man einen ganzen Roman schreiben. Für unsere Geschichte ist aber das Jahr 1716 wichtig, als die Truppe im Gebiet des Zusammenflusses des Irtysch und Om landete und mehrere Befestigungsanlagen für die Verteidigung errichtete. Der Ort wurde gut ausgesucht. Hier begann auch die Errichtung der ersten Festung von Omsk. Das Datum wird auch üblicherweise als Anfang der Geschichte von Omsk angenommen. Im Jahr 1768 begann am gegenüberliegenden Ufer des Om der Bau einer neuen Festung, die die erste Festung der Größe und dem Sicherheitsgrad nach übertraf. Diese Festung wurde auch zusammen mit den in der Nähe entstandenen Siedlungen der Zivilbevölkerung zum Urbild des modernen Omsk.

Bis zum Ende des XVIII. Jahrhunderts blieb die Omsker Festung ein Ostrog (so wurde ein permanenter oder vorübergehender Stützpunkt für die Unterbringung des Militärs bezeichnet). Im Jahr 1782 wurde sie als «städtische Ansiedlung» der Tobolsker Statthalterschaft angeschlossen. Am 26. Februar 1804 erhielt Omsk den Status einer Kreisstadt. Einen Überblick über die Wachstumsraten von Omsk kann man erhalten, indem man sich die Brandbeschreibungen durchliest, die hier häufig am Anfang des XIX. Jahrhunderts wüteten. Zum Beispiel brach im Jahr 1819 in der Festung ein Feuer aus, welches vom Wind durch die ganze Stadt verteilt wurde. Es brannten 80 Wohnhäuser, ein Gostiny Dwor, Fleischereien, Bars und das Rathaus aus. Den Gesamtschaden schätzte man auf 200 tausend Rubel ein. Beim Brand von 1823 brannten bereits 200 Häuser aus — die Stadt schaffte also in der Zeit nach der letzten Katastrophe sich nicht nur davon zu erholen, sondern ist sogar noch gewachsen.

Im Jahr 1825 zog der Rat der Hauptverwaltung von Westsibirien nach Omsk, was den Status der Stadt noch mehr stärkte. Im Jahr 1829 genehmigte Nikolaus I den Übersichtsplan der Stadt, wonach die Gesamtfläche der Stadt sich fast vervierfachte. In der Stadt entstanden mehrere neue Kathedralen. Interessant, dass darunter nicht nur Orthodoxe Kirchen, sondern auch Moscheen waren. Man rechnete damit, dass das Bestehen muslimischer Moscheen die Loyalität der lokalen Bevölkerung, die Moslems gewesen sind, weiter fördern würde. Die Katholiken verfügten über eine katholische Kirche, für Lutheraner, von denen es viele unter der Militärführung gab, wurde noch am Ende des XVII. Jahrhunderts eine Kirche errichtet.

Die Geschichte der Stadt Omsk des XIX. Jahrhunderts ist untrennbar mit dem Namen von Fjodor Michailowitsch Dostojewski verbunden, der hierher als Mitglied der Petraschewzen zur Zwangsarbeit verbannt wurde. Die Stadt selbst übte vor allen am Anfang keinen positiven Eindruck auf ihn aus. «Die Stadt ist schmutzig, voller Militärs und ist äußerst unsittlich...», — beklagte sich der verbannte Schriftsteller in einem Brief an seinen Bruder. Am Ende dieser wütenden Tirade fand Dostojewski dennoch noch ein gutes Wort für die Stadt Omsk: «Wenn ich hier keine Menschen finden würde, würde ich völlig zugrunde gehen». In anderen Briefen und literarischen Werken erwähnte der Schriftsteller mehrmals mit einer Dankbarkeit diejenigen, die ihm geholfen haben diese schweren Jahre seiner Haft in Ostrog zu überleben. Basierend auf den Erinnerungen an diese Lebenszeit schrieb Dostojewski seine «Aufzeichnungen aus einem Totenhaus». In der Stadt wurde ein Denkmal und ein Museum zu Ehren von Dostojewski eröffnet. Auch die örtliche Universität und eine der Straßen tragen seinen Namen. Den Stadtgästen stehen interessante Ausflüge zur Erkundung von Dostojewskis Omsk zur Verfügung.

Einen wichtigen Impuls zur Entwicklung der Stadt Omsk am Ende des XIX. — Anfang des XX. Jahrhunderts machte der Bau der Transsibirischen Eisenbahn, der im Jahr 1891 begann. Allmählich rückte Omsk auf die Position des größten Handels-und Industriezentrum Sibiriens. Ein interessantes Detail: In den Geschäftskreisen der Stadt Omsk gab es viele Ausländer. In der Stadt funktionierten erfolgreich Außenstellen mehrerer US-Unternehmen. Eines der größten Unternehmen gehörte einem Auswanderer aus Dänemark S.X. Randrup und stellte landwirtschaftliche Geräte, Nähmaschinen und nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges — auch Granatengehäuse und andere militärische Produkte her.

Während des Bürgerkrieges wurde Omsk zur Hauptstadt des Weißen Russlands. Genau hier befand sich die Residenz des Admirals Koltschak, der den Titel des Oberen Regedenten des Russischen Staates und der Oberbefehlshaber der Russischen Armee trug. Die russische Intelligenz aus St. Petersburg, Moskau und anderen Städten kam hierher in der Hoffnung vor den Bolschewiken zu fliehen. Ebenfalls eröffneten hier viele ausländische Staaten ihre Botschaften. Nach Omsk wurde auch der größte Teil der Goldreserve des Russischen Reiches gebracht. Die Staatsbank begann die Geldemission, die trotz sich einer minderwertigen Qualität auf einem riesigen Gebiet im Umlauf befand — sogar in China. Doch zum Sommer 1919 wurde der Hauptkern Koltschaks Truppen zerschlagen und im November ging die Stadt in die Hände der Roten Armee über. Im Februar des 1920 Jahres wurde der Oberste Regent in Irkutsk hingerichtet. Näheres über das Leben und das tragische Schicksal dieses außergewöhnlichen Menschen kann man bei thematischen Exkursionen, die in der Stadt ausgearbeitet wurden, erfahren.

Omsk — ist ein Rekordhalter gemessen an der Anzahl von Straßen mit Ordinalzahlen. In der Stadt gibt es alleine 36 Sewernaja Straßen! Dazu kommen noch Dutzende nummerierte Amur -, Arbeits- und Marjanowski Straßen. Der örtliche Heimatforscher Igor Fjodorow erklärt dieses topographische Phänomen jedoch mit einem Versuch in den 1920er Jahren auf das anglo-amerikanische Straßenbenennungssystem zu übergehen.

Ein trauriges Schicksal wartete auf viele historische Gebäude: es wurden fast alle großen Kathedralen zerstört, wie durch ein Wunder blieb die einzige Nikolski-Kosaken-Kathedrale, die viele Jahre nicht bestimmungsgemäß verwendet wurde, erhalten. In den 1930er Jahren wurden auch die Königlichen Tore zerstört — ein Triumphbogen, der im Jahr 1891 zu Ehren des Besuchs des Thronfolgers Nikolai Alexandrowitsch, des zukünftigen russischen Imperators, in Omsk erbaut wurde. Im Laufe der Jahre wurden auch die drei der vier Tore der zweiten Omsker Festung zerstört. Erst nach der Perestroika gab es die Möglichkeit der Stadt wenigstens einige der architektonischen Denkmäler zurückzugeben. Einige von ihnen wurden restauriert, einige wurden von Grund auf nach alten Zeichnungen oder sogar Fotos wiederhergestellt. Eines der ambitioniertesten Projekte der letzten Jahre — die Wiedergeburt der Ispenski-Kathedrale, die in den Jahren von 2005 bis 2007 auf altem Fundament erneut errichtet wurde.

Das moderne Omsk arbeitet an seinem Image. Den Besuchern der Stadt kann man empfehlen einen Besuch in die örtlichen Theater zu unternehmen — dem Drama- und Musiktheater. Besondere Aufmerksamkeit verlangen das Heimatmuseum und das Regionale Museum der bildenden Künste von M. A. Wrubel. Für Eishockey-Fans steht der Weg zum Spiel der Omsker «Awangard» offen.

Die Omsker Küche erfreut einen jeden mit ihrer Vielfalt. In ihr gibt es Platz für traditionelle sibirische Rezepte — solchen, wie Perlmeni und eine Vielzahl von Einsalzungen und Gerichten der orientalischen Küche. Mutige können Gerichte aus Bärenfleisch oder Elchfleisch kosten, die hier Dank der Nähe zur Taiga keine besondere Exotik sind. Als lokale Delikatesse kann man den berühmten süßen Schmelzkäse «Omitschka» bezeichnen, dessen Rezept im Jahr 1969 in der Omsker Schmelzkäsefabrik erfunden wurde. Zur Sowjetzeit übernahmen jedoch viele andere Unternehmen auf dem Gebiet der UdSSR die Produktionstechnologie dieser Delikatesse, doch das Ersterfinderrecht gehört der Omsker Fabrik. Ein weiteres beliebtes «Markenprodukt» — ist das Mineralwasser «Omsk-1».

Aus Omsk ist es leicht ein originales Souvenir zur Erinnerung mitzubringen. Die Stadt ist voll mit schönen, sowie lustigen Skulpturen und Denkmälern, die von der Souvenirproduktion hergestellt werden. Als Erinnerung über die Stadt Omsk kann man eine Miniaturversion des berühmten Denkmals eines Schlossers, Stefan, (auch Stepnitsch), erwerben. Der gusseiserne Sanitärtechniker mit einem verstellbaren Schraubenschlüssel entstand auf dem Ljubniski Prospekt im Jahr 1998 und wurde schnell zu einer Kultfigur. Romantische Personen entscheiden sich für die süße Statue «Ljuba» — die Kopie der Skulptur, die im Gedächtnis an die geliebte Frau des Gouverneurs Gustav von Hasford errichtet wurde. In der Tat ist über die Frau wenig bekannt: nur, dass sie zusammen mit Ihrem Mann am Anfang des 1851 Jahres nach Omsk kam und im Juli nächsten Jahres im Alter von 23 Jahren an Tuberkulose verstarb. Mit den Jahren bekam die Geschichte viele glaubwürdigen Details und die Skulptur von Sergej Norischew half noch mehr diese von den Omsker Bewohnern geliebte romantische Figur ins Leben zu rufen. Andere beliebte Objekte, die als Souvenirs veröffentlicht werden — Mariä-Entschlafens-Kathedrale, Tarsker Tore, Herrenhaus des Kaufmanns Batjuschkin, die Figur eines geflügelten Genies vom Giebel des örtlichen Schauspielhauses.

Wie zu erreichen

Omsk verfügt über einen internationalen Flughafen, der nur fünf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegt. Der Flug von Moskau nach Omsk nimmt etwa drei Stunden ein. Die meisten Flugverbindungen nach Omsk aus dem Ausland setzen einen Zwischenstopp in Moskau voraus. Nach Omsk kann man auch über Astana gelangen, wobei nicht nur mit dem Flugzeug, sondern auch mit dem Zug und sogar mit dem Bus. Diese Variante ist besonders für Touristen aus östlichen Ländern vorteilhaft. Den Flughafen verbinden mit der Stadt mehrere Buslinien. Mit einer von ihnen kann man auch den Bahnhof erreichen. Mit dem Zug kann man Omsk durchschnittlich in 2 Tagen und 4 Stunden erreichen.

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