Tschita entstand am Fuß der Salsen an beiden Ufern des Flusses Tschita, an der Stelle wo sie in die Ingoda mündet. Die Siedlung wurde nach dem Fluss benannt. 1653 kamen die russischen Kosaken hierher und gründeten ihr Winterlager. Daraus wurde 1711 der Tschitaer Ostrog (so hieß damals ein befestigter Siedlungspunkt). 1851 bekam Tschita Stadtrechte. Im 18. Jahrhundert wurde in Tschita ein Zollamt gegründet, wo chinesische und mandschurische Kaufleuten ihre Abgaben zahlten. Auf der Suche nach einem besseren Leben kamen nach und nach Bauern aus dem westlichen Teil Russlands in die Region und machten sich sesshaft. Viele Jahre lang war Tschita ein Verbannungsort in Russland. Zu den berühmten Stadteinwohnern zählten Dekabristen, Regierungsgegner in Russland, die im Dezember 1825 einen Aufstand auf dem Sankt Petersburger Senatsplatz versucht hatten. Viele wurden verurteilt und 1827 nach Tschita deportiert. Im Verbannungsort haben sich auch ihre Ehefrauen ihnen angeschlossen. Diese aus den adligen Familien stammenden, gebildeten und aufgeklärten Personen haben gegen Mitte des 19. Jahrhunderts viel zur Entwicklung und zum Wachstum dieser Kleinstadt in den transbaikalischen Steppen beigetragen. Eine Zeugin dieser Zeiten ist die gut erhaltene schlichte Holzkirche, zu deren Gemeine Dekabristen gehörten. Heutzutage befindet sich hier das Dekabristen-Museum.
Ein anderes interessantes Museum, das Naturkundemuseum, entstand in der Stadt im Jahre 1896. Dank seinen interessanten Führungen und einer ausgezeichneten Ausstellung, die der Natur und der Fauna der Region gewidmet ist, erfreut sich das Museum einer großen Beliebtheit der Bevölkerung. 1900 kam die Transsibirische Eisenbahn nach Tschita. Dank der Bahn hat sich die Stadt zu einem großen Verkehrsknotenpunkt entwickelt. Die Eisenbahner werden in Tschita von Kindheit an ausgebildet. Seit 1974 funktioniert in der Stadt die Kleine Transbaikalische Kindereisenbahn. Sie ist etwa vier Kilometer lang, hat zwei Stationen, ein Bahnwärterhaus, einen Feuerwehrschuppen und sogar eine Nikolaus-von-Myra-Kirche. Während ihres vierzigjährigen Bestehens wurden hier elf Tausend Kinder ausgebildet! Viele haben danach einen mit der Eisenbahn verbundenen Beruf gewählt.
Ein bedeutendes Ereignis in Tschita ist heutzutage das jährliche Kunstfestival «Zwetuschtschi Bagulnik» (zu Deutsch: blühender Sumpfporst), das in der Regel zwischen Mitte März und Mitte April stattfindet. Zum ersten Mal fand dieses Fest der symphonischen und Kammermusik 1974 statt. Seit 2006 ist dieses Festival international. Hier sind im Laufe der Jahre weltberühmte Künstler aufgetreten, darunter Mstislaw Rostropowitsch und Surab Sotkilawa.
Im postsowjetischen Zeitraum hat Tschita eine eigenartige religiöse Wiedergeburt erlebt. Fast gleichzeitig wurden hier die Kasaner Kathedrale (der Name geht auf eine Ikone vom Typ der Gottesmutter von Kasan zurück, die hier verehrt wird), die zur Hauptkathedrale des Transbaikalischen orthodoxen Diözese wurde, und der Tschitaer Dazan, der Buddhisten Transbaikaliens anzieht. Ein Dazan ist ein außergewöhnlicher Ort. Auf seinem Gelände kann man eine Gebetsmühle drehen, einen Lama besuchen und ihn um eine Beratung oder um eine astrologische Voraussage bitten. In der örtlichen Gaststätte kann man sogar ein eigentümliches Gericht probieren: Buus (gedünstete, mit gehacktem Fleisch gefüllte Teigtaschen) Selbstverständlich kann man Buus auch in anderen Gaststätten der Stadt bestellen. Empfehlenswert sind auch Huschuurs, gebratene, mit gehacktem Fleisch gefüllte Fladenbrötchen. Sehr beliebt sind die hiesigen Restaurants wo Reh, Elch oder Wildschwein serviert werden. Wer etwas Exotischen erleben möchte, wird wahrscheinlich vom einheimischen Tee angetan sein, der hier mit der obligatorischen Milch getrunken wird. Und die Liebhaber des Süßen sollten eine Führung durch die örtliche Süßwarenfabrik Raduga (zu Deutsch: Regenbogen) mitmachen. Die Fabrik arbeitet in Tschita seit 2004 und ist sehr kreativ. Ihre Mitarbeiter vertreten die Meinung, dass ihre Produkte sämtliche Bevölkerungsgruppen ansprechen sollten. So entstand hier unter anderem die Universitäts-Torte, die mit Kaffee und Nüssen gebacken wird, wie es sich Professoren und Studenten der einheimischen Hochschulen gewünscht haben.
Heute ist Tschita eine große, sich schnell entwickelnde Stadt, deren Bevölkerung 330 Tausend Einwohner zählt. In der Stadt selbst und in ihrer Umgebung kann man die Salsen mit ihren abgerundeten Gipfeln bewundern, uralte historische Denkmäler erkunden, wie z.B. das Gebirgsmassiv Titowskaja Sopka, oder im Gewächshaus-Wintergarten des transbaikalischen botanischen Gartens spazieren gehen. Es ist auch interessant zu beobachten, wie sich die Zusammenarbeit der Stadt mit den benachbarten Staaten China und Mongolei entwickelt. Die Einheimischen fahren in diese beiden Länder mit dem Bus oder mit dem Auto zum Shoppen. Tschita hat Dinge und Aspekte, die man beachten, bestaunen und bewundern kann!
Wie zu erreichen
Am einfachsten erreicht man Tschita mit dem Flugzeug. Der Flughafen Kadala bedient hauptsächlich Inlandlinien, empfängt aber auch Maschinen aus Honkong, Antalya, Phuket, Peking und Bangkok. Zu den Zukunftsplänen gehört der Luftverkehr in das nahe und ferne Ausland: Mongolei, Kirgisistan, Süd-Korea, Armenien. Der Flug von Moskau nach Tschita dauert ca. 7 Stunden. Eine Eisenbahnreise aus der russischen Hauptstadt wird knapp vier Tage in Anspruch nehmen.