Nürnberg ist nach München die zweitgrößte Stadt Bayerns. Es gilt als inoffizielle Hauptstadt der Region Franken. Die Stadt wurde am 16. Juli 1050 als Noerenberg erstmals urkundlich erwähnt. Dieses Datum gilt als Stadtgründungstag. Aber am wahrscheinlichsten fand die erste Besiedlung viel früher statt. Dank der Tatsache, dass die wichtigsten Handelswege durch Nürnberg führten, gedieh die Stadt und verstärkte ihren Einfluss. Über die Jahrhunderte hinweg galt Nürnberg als „inoffizielle Hauptstadt“ des Heiligen Römischen Reiches. Laut der Goldenen Bulle von 1356, die das Verfahren der deutschen Königswahl festlegte, hatte jeder neugewählte König seinen ersten Hoftag in Nürnberg abzuhalten. Karl IV., der Verfasser des Gesetzes, liebte Nürnberg so sehr, dass er es insgesamt 52 Mal besuchte.
Der Reichtum und Ruhm Nürnbergs kam durch das ausgezeichnete Handwerk, das nicht nur traditionell, sondern auch für das Mittelalter einzigartig war. So wurde in der Stadt die Herstellung von Navigationsinstrumenten aufgenommen. In Nürnberg lebten und schufen viele berühmte Persönlichkeiten des Mittelalters und der Renaissance: Maler und Grafiker Albrecht Dürer, Bildhauer Veit Stoß und Adam Kraft, Dichter und Schuhmacher Hans Sachs, der sich seinen Lebensunterhalt als Schumacher verdiente und gleichzeitig mehr als 6000 Werke im Laufe der 82 Jahre produzierte; Geographe und Negoziant Martin Behaim, der den Globus fertigte; Peter Henlein, der die erste Taschenuhr auf der Welt herstellte … Trotzdem war Nürnberg gegen Ende des 18. Jahrhunderts völlig verschuldet und konnte nicht mehr unabhängig bleiben. 1806, als das Heilige Römische Reich Deutscher Nation erlosch, wurde Nürnberg in das Bayerische Königreich eingegliedert. Die Wiederbelebung ihres Ruhms im 19. Jahrhundert hatte die Stadt zum größten Teil den deutschen Romantikern Wilhelm Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck zu verdanken. Sie sehnten sich nach Idealen des Mittelalters und erkannten die Stadt als Verkörperung dieser Ideale. Neben den Romantikern sah leider auch Adolf Hitler Nürnberg als die „deutscheste aller deutschen Städten“. Im Nachhinein verwandelte er Nürnberg in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts in das ideologische Zentrum des Nationalsozialismus. Jeder weiß, wie dieses Kapitel der Geschichte der Stadt endete. Von 1944 bis 1945 wurde die Nürnberger Altstadt durch Luftangriffe der US-amerikanischen und britischen Luftstreitkräfte in Schutt und Asche gelegt. Nach dem Ende des Krieges fand im Justizpalast, einem der wenigen erhaltenen Gebäude, die Nürnberger Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher statt.
Die Nürnberger sind besonders stolz auf die Nürnberger Bratwürste. Diese Bratwürste aus Schweinefleisch sind vor allem durch den kräftigen Geschmack von Majoran und ihre Größe gekennzeichnet: Die Wurst ist sieben bis neun Zentimeter lang und ca. 20 bis 25 Gramm schwer. Vorschriftsgemäß dürfen nur Bratwürste, die im Stadtgebiet von Nürnberg gefertigt werden, den Namen Nürnberger Bratwurst tragen, was ihren Export weltweit allerdings nicht bremst. Nürnberger Bratwürste wurden 1313 erstmals schriftlich erwähnt. Laut diesen Urkunden wurden schon im Mittelalter stets hohe Anforderungen an die Qualität der Bratwurstherstellung gestellt. Auf den Märkten wurden die Nürnberger Bratwürste nach strengster Rezeptureinhaltung, Gewicht, Form und Fleischzusammensetzung geprüft. Die Würste, die den Anforderungen nicht entsprachen und dem Ruf der Nürnberger Rostbratwürste schaden konnten, wurden in den Fluss geworfen. Bei wiederholtem Verstoß wurden die Verantwortlichen bestraft. Ihre feine Form erwarben die Nürnberger Bratwürste nicht auf einmal. Es waren wohl die gestiegenen Schweinefleischpreise im 16. Jahrhundert und daher unwirtschaftliche Produktion, welche die findigen Nürnberger Metzger dazu bewegten, die Größe der Bratwürste zu verkleinern. Aber der Preis pro Kilo erhöhte sich. Eine andere Legende besagt, die Nürnberger Rostbratwürste sind deshalb so klein, damit schlaue Gastwirte nach Schließung der Stadttore den Spätankömmlingen durch das Schlüsselloch noch Zehrung gewähren konnten.
Sowohl bei den armen als auch bei den reichen Nürnbergern war die Bratwurst sehr beliebt.
Die Liebe zu den Würsten vereinte Arm und Reich in Nürnberg. Aussagekräftig in diesem Zusammenhang ist die Geschichte des Nürnberger Patriziers Hans Stromer. Er wurde wegen Geheimnisverrats (nach einer anderen Version wegen Veruntreuung) zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt. Da er ein reicher und angesehener Mensch war, gewährte ihm das Gericht jedoch einen letzten Wunsch. Er wünschte sich, dass er an jedem Tag auf Kosten der Stadt zwei Nürnberger Bratwürste bekäme. Diese wurden ihm dann durch das Schlüsselloch gereicht. Während seiner 38-jährigen Haftstrafe brachte Stromer es auf 28.000 Bratwürste! „Die Würste sind in meinem Magen schöne Vergissmeinnicht von Nürnberg“, gab der deutsche Dichter Jean Paul zu. Sein Altersgenosse und Kollege Johan Wolfgang von Goethe fand die Nürnberger Bratwürste so schmackhaft, dass er sie mit der Post nach Weimar schicken ließ. Damals war es recht aufwendig. Die Bratwürste werden gewöhnlich in einer Portion von ein paar Stück serviert.
Wenn man eine Kleinigkeit essen möchte, gibt es „Drei im Weggla“ als „Fast-Food-Variante“ im Straßenverkauf. Die leckeren Drillinge im Brot werden mit Senf oder ganz traditionell mit Meerrettich angeboten. In einem Restaurant bzw. in einem Bratwurstlokal serviert man die Bratwurst in Portionen von sechs, acht, zehn oder zwölf Stück. Die traditionellen Beilagen sind Sauerkraut, Brot, Kartoffelsalat und Meerrettich. Eine weitere Nürnberger Köstlichkeit ist Blauer Zipfel (auch Saurer Zipfel). Zubereitet wird dieses Gericht aus den Nürnberger Bratwürsten, die in einer Brühe mit Wein, Zwiebeln und Essig durchziehen, sodass sie einen blassen, bläulichen Teint bekommen.
Süßmäulern werden die Nürnberger Lebkuchen besonders gut schmecken. Das sind große, zumeist runde Oblatenlebkuchen, deren Qualitätsmerkmal ein hoher Anteil von Mandel- und Nusskernen und eine geringe Zugabe von Mehl ist. Obwohl Nürnberger Lebkuchen einem das ganze Jahr lang zur Verfügung stehen, wird die größte Auswahl am Nürnberger Christkindlesmarkt angeboten. Er gehört zu Europas Top Fünf. Jährlich wird dieser Markt von etwa zwei Millionen Menschen besucht. Seit 1933 eröffnet traditionell das Christkind den Nürnberger Christkindlesmarkt mit einem besonderen Prolog.
In Nürnberg kann man sehr bequem spazieren gehen. Im Jahr 2000, anlässlich des 950-jährigen Stadtjubiläums, wurde in Nürnberg die „Historische Meile Nürnberg“, die als ein touristischer Rundgang konzipiert wurde, ins Leben gerufen. Sie erschließt die wichtigsten historischen Sehenswürdigkeiten der Altstadt von Nürnberg: Stadtmauer, Kaiserburg, Rathaus, Hauptmarkt mit Schönem Brunnen, einige Kirchen, wie z.B. Frauenkirche, Sebalduskirche sowie Lorenzkirche, Mauthalle, im das gotischen Stile gebaute Nassauer Haus, Albrecht-Dürer-Haus, Heilig-Geist-Spital usw. Der Spaziergang auf der Historischen Meile verfügt über ein wegweisendes Schildersystem, damit Touristen den Weg nicht verfehlen.
Das heutige Nürnberg berichtet ernsthaft und offen von seiner Geschichte, unter anderem auch über ihre dunklen Kapitel. Aber die meisten Touristen erinnern sich an diese Stadt jedoch als an eine bunte und feierliche Stadt, deren Einwohner viel und mühselig arbeiten, aber auch ordentlich zu feiern wissen.