Der Fluss Pegnitz teilt die Altstadt von Nürnberg in die Sebalder Altstadt (Norden) und die Lorenzer Altstadt (Süden), wo sich die protestantischen Hauptkirchen befinden.
Die Sebalduskirche gilt als die älteste erhaltene Kirche Nürnbergs, deren Bau schon 1230 begonnen hat. Ursprünglich wurde sie als spätromanischer Bau erbaut, aber im Nachhinein erhielt sie eine gotische und später noch eine barocke Ausstattung. Die Kirche wurde zu Ehren des Heiligen Sebaldus geweiht, der als Eremit im Wald in der Nähe von Nürnberg lebte. Er war im Rest der Welt nicht besonders bekannt, aber die Einwohner erhaben ihn zum Nürnberger Stadtpatron lange vor seiner offiziellen Heiligsprechung im Jahre 1425. Als eine der bedeutendsten Reliquien der Kirche gilt der bronzene Prunkschrein mit den Gebeinen des Heiligen Sebaldus, der nach Plänen des berühmten Bildhauers und Rotschmiedes Peter Vischer gefertigt wurde. Dieses Kunstwerk zeichnet sich durch seinen reichen Figurenschmuck aus, den man dabei nicht erwartet. Dazu gehören zum Beispiel zwölf Schnecken und vier Delfine, auf den das Grabmal ruht. Auf dem Sockel des Schreins sind Legenden aus dem Leben des Heiligen im Relief abgebildet. Eine davon berichtet von seinem berühmten Wunder, als er ein Feuer mit einem brennenden Eiszapfen statt Brennholz entzündete, um das Haus der Armen zu heizen.
Unter weiteren bis heute erhaltenen Kunstwerken sind insbesondere die schönen Buntglasfenster und geschnitzten Holzfiguren von Veit Stoß sowie das Schrayer-Landauer-Epitaph, das vom berühmten Bildhauer und Baumeister Adam Kraft gefertigt wurde, hervorzuheben.
Die Lorenzkirche, die als Hauptkirche im Südteil der Stadt gilt, kann als die jüngere Schwester der Sebalduskirche und in gewisser Hinsicht deren Rivalin genannt werden. Ihr Bau wurde etwas später, Ende des 13. Jahrhundert, begonnen. Die Sebaldunskirche besuchten im Wesentlichen Adlige, während die Lorenzkirche von wohlhabenden Bürgern bevorzugt wurde. An ihrer Ausstattung arbeiteten dieselben Meister wie in der Sebalduskirche, wie z. B. Adam Kraft, Perer Vischer, Veit Stoß. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die prunkvolle Ausstattung der Kirche zum größten Teil von reichen Nürnbergern bezahlt wurde. Vielleicht blieben gerade deshalb die Kunstschätze von St. Lorenz während der Reformationszeit verschont.
Auf den ersten Blick sehen die Kirchen sehr ähnlich aus, es bedeutet aber nicht, dass man nur die eine besuchen und die andere leichten Herzens nicht besichtigen soll. Die beiden Kirchen sind bezaubernd schön, und jede ist einen Besuch wert.