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Uglitscher Kreml: Überreste der einstigen Stärke

In der Geschichte der Rus gibt es mindestens einen Fall, als ein Gegenstand der physischen Strafe unterzogen und verbannt wurde, und er befindet sich im Uglitscher Kreml. Das ist die Sturmglocke, die sich nach dem Tod des Zarensohnes Dmitri schuldig gemacht hatte. Der ortansässige Geistliche läutete die Glocke und rief auf, die Mörder des Zarensohnes zu finden und zu verurteilen und gegen Boris Godunow aufzubegehren. Man hatte die Glocke wie einen Straftäter behandelt: ausgepeitscht, die Zunge ausgerissen, das Ohr abgehackt und nach Tobolsk verbannt.

Heute stellt der Uglitscher Kreml einen historisch-architektonischen Komplex dar, welcher aus Bauwerken von verschiedenen Epochen und aus den Überresten der Festungsanlagen besteht. Die erste Festung an dieser Stelle wurde im 10. Jahrhundert errichtet und war aus Holz. Im 15. Jahrhundert wurde der Palast aus Stein erbaut, welcher heute als Palast des Zarensohnes Dmitri bekannt ist. Er hat eine direkte Verbindung zu Dmitri: der Zarensohn war neben ihm ums Leben gekommen. Danach brachen die Machtkriese und die Zeit der Wirren aus, (der Zeitraum in der Geschichte Russlands zwischen 1584 und 1613). Dieser Palast ist das älteste erhaltene Wohngebäude im ganzen Zentralrussland! 1892 wurde in diesen Räumlichkeiten das erste städtische Museum eröffnet. Heutzutage bietet es zwei Expositionen an. Die erste präsentiert Schätze des alten Uglitsch: Ikonen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, Wappen der städtischen Handwerker und Münzen, die zweite ist dem Mittelalter und der Regierungszeit Peters I. in der Geschichte der Stadt gewidmet und zeigt Volkstrachten und Waffen.

Ein weiteres interessantes Objekt auf dem Gelände des Kremls ist die Dimitri-Kirche, oder die Blutkirche. Sie wurde hundert Jahre nach dem Tod des Zarensohnes Dmitri errichtet. Darin sind Fresken aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erhalten, welche den Tod des Zarensohnes darstellen. Heute befindet sich in der Kirche ein Museum, wo die Sturmglocke ausgestellt ist, die bestraft und nach Sibirien verbannt wurde. Die Glocke kam 1892, zum Zeitpunkt der Museumsgründung zurück.

Die architektonische Dominante des Kremls und der Stadt ist die Christi-Verklärungs-Kathedrale, (russisch: Spasso-Preobrashenski sobor). Die klassizistische Kathedrale mit fünf Kuppeln und einem freistehenden Glockenturm wurde auf dem Kremlgelände in den 1710er Jahren von Jaroslawler Baumeistern errichtet. Die Kirchenhalle ist 14 Meter breit und 17 Meter hoch, für die damalige Zeit war es ein Novum in der Baukunst. Die Wandmalereien in der Kathedrale stammen aus dem frühen 19. Jahrhundert, meistens sind es Kopien der Gemälde italienischer Künstler, z.B. die Verklärung ist quasi eine «Zwillingsschwester» der gleichnamigen Freske von Rafael Santi, die sich im Vatikan befindet. Eine weitere Kathedrale auf dem Kremlgelände ist die Epiphanien-Kathedrale. Sie stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde für Gottesdienste im Winter benutzt. Ihre Kuppel wurde abgebaut, deshalb sieht sie nicht gerade wie eine Kirche aus. Heute beherbergt sie eine Ausstellung von Portraits aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Auf dem Gelände des Kremls befindet sich auch ein für solche historische und kulturelle Komplexe untypisches Ausstellungsstück: ein im Jahre 1836 in Charkow hergestellter Traktor. In der Stadt gab es für ihn kein passendes Museum, deshalb steht der Traktor neben den uralten Bauwerken des Uglitscher Kremls.

Anschrift
ul Kreml
152615, Uglich
Öffnungszeiten
Jetzt - geschlossen
Mo-So 09:00-17:00