Ein Besuch in die Festung Oreschek in Schlüsselburg bietet eine einzigartige Chance, mehrere Epochen der russischen Geschichte gleichzeitig kennenzulernen. Diese uralte Wehranlage am Newa-Quellenort ist über 650 Jahre alt! Die erste Festung wurde auf der Insel Orechowy 1323 gebaut. Der Enkel von Alexander Newski, Fürst Juri, versuchte mit ihrer Hilfe die Beziehungen mit den kriegerischen schwedischen Nachbarn ins Gleichgewicht zu bringen und die wichtige Handelsroute von Skandinavien bis ins Byzantinische Reich sicher zu machen.
Weitere dreihundert Jahre beteiligte sich die Festung Oreschek an den Kämpfen zwischen Litauern, Schweden und Russen. Hier wurden drei Meter hohe Mauern und weitere Wehranlagen errichtet. Als zusätzlicher Schutz gegen die Feinde fungierte die Newa: an den Ufern der Insel Orechowy ist die Strömung sehr stark, das Wasser erfriert sogar bei strengem Frost nicht. 1612 wurde die Festung von einem Schwedentrupp erobert und zu Nöteborg, (Nuss-Stadt), umbenannt. Die Schweden konnten die Festung erst nach einer langen Belagerung einnehmen, als fast alle Oreschek-Verteidiger vor Hunger starben. Während der Belagerung hatten die Kämpfer der Festung eine Gottesmutter-Ikone eingemauert. Sie half Peter dem Ersten im Jahre 1702 Oreschek zurückzuerobern. Die Stadt-Festung bekam einen neuen Namen: Schlüsselburg, was so viel wie Stadt-Schlüssel bedeutet. Peter der Erste baute schon Sankt Petersburg und wusste genau, wie wichtig die Grenzen für den Schutz der nördlichen Hauptstadt sind.
Als 1704 Kronstadt gebaut wurde, verlor die Festung Oreschek an strategischer Bedeutung und wurde zum Gefängnis für politische Häftlinge umfunktioniert. Nach der Oktoberrevolution wurde das Gefängnis aufgelöst, die Festung sollte wieder das Land verteidigen. Während des Großen Vaterländischen Krieges kämpfte ihre kleine heroische Besatzung mehr als 500 Tage lang um Leben und Tod und verhinderte die deutschen Heere, den Blockadering um Leningrad zu schließen. Leningrad hatte dank dieser kleinen Festung überlebt.