Bielefeld erschien auf der Karte des mittelalterlichen Deutschland im Jahre 1214. Sein Gründer ist der Graf Hermann von Ravensberg, der auf einem hohen, vom Teutoburger Wald umgebenen Hügel, die uneinnehmbare Festung Sparrenburg errichtete. Im Laufe der Zeit wuchs rund um die leistungsfähige Hochburg eine kleine Stadt, die im 15. Jahrhundert der Hanse - einem Handelsbündnis - beitrat. Zu dieser Zeit war die Hälfte der Bevölkerung von Bielefeld in der Produktion von Flachs tätig. Die Textilien der lokalen Fabriken wurden von Händlern aus England, Skandinavien und den baltischen Staaten gekauft. Die lokale Ravensberger Spinnerei galt im 19-20 Jahrhundert als die größte Flachsspinnerei in Europa. Und auch heute, da die lokale Herstellung von Gewebe deutlich zurückgegangen ist, gibt es immer noch beliebte Souvenirs aus Leinen. In der Stadtmitte wurde zum Gedenken an diese Seite der Geschichte einen Brunnen (Leineweber-Denkmal) errichtet, der den Webern gewidmet ist.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Bielefeld in der ganzen Welt berühmt. Dr. August Oetker hat hier bei chemischen Experimenten das Backpulver erfunden und patentiert. Im Jahr 1900 baute Oetker, der eine kleine Apotheke besaß, seine erste Fabrik. 1906 hatte er schon 50 Millionen Päckchen Backpulver verkauft! Nun ist die Marke von Dr. Oetker weltweit bekannt, und in Bielefeld arbeitet noch die Fabrik zur Herstellung des Backpulvers. In der Fabrik werden Tagestouren organisiert, bei denen man das berühmte Patent sehen, auf alle Stufen der Produktion von Backpulver schauen und einen Kuchen nach einem alten Rezept backen kann.
In Bielefeld sollte man die traditionelle westfälische Spezialität Pfeffer Potthast probieren. Zu seiner Zubereitung werden Fleisch mit Fettschichten verwendet, die mit Zwiebeln und Gewürzen gebraten und mit Kapern und Zitrone gewürzt werden. Im Sommer wird dieses Gericht mit Salzkartoffeln und Salat und im Winter - Gurken und Rüben serviert. Außerdem werden in Restaurants von Bielefeld auch andere lokale Köstlichkeiten serviert, wie der westfälische Schinken, frisch gebackenes Roggenbrot und Weizenbier.
Das historische Zentrum Bielefelds, einschließlich des Marktplatzes (Altenmarkt), des Altes Rathauses und mehreren mittelalterlichen Kirchen, kann in ein paar Stunden besichtigt werden. Bemerkenswert sind die lokalen Museen, wie zum Beispiel die Galerie der modernen Kunst (Kunsthalle Bielefeld), wo Kunstwerke des 21. Jahrhunderts bewahrt werden. Einen Besuch wert ist auch das historische Museum mit seiner Sammlung von alten Uhren, Betriebsspinnmaschinen, Sachen der lokalen Fabriken und einer ganzen Straßenbahn.
Als eine Art Touristenattraktion gilt die Bielefeld-Verschwörung, die im Jahre 1994 von einem deutschen Studenten geprägt worden ist. Nach dieser satirischen Theorie, existiere die Stadt Bielefeld nicht, und alle Verweise auf sie seien nichts anderes als ein Teil einer globalen Verschwörung. Der Internet Witz hat sich bald nach der Veröffentlichung weiterentwickelt, wurde zu Meme und ist weit ins globale Netz gegangen. Im Jahr 1999 hat der Rat der Stadt Bielefeld eine offizielle Ablehnung der Theorie der Verschwörung veröffentlicht. In einer Aussage erklärte das Bürgermeisteramt- “Bielefeld gibt es doch!”. Aber die Öffentlichkeit hat wieder einmal selbst das Umgekehrte festgestellt, da diese Aussage am 1. April veröffentlicht wurde. Heute lockt die Bielefeld-Verschwörung eine beträchtliche Anzahl von Touristen, die die Existenz der Stadt persönlich überprüfen möchten.
Das Hauptereignis in Bielefeld ist das jährliche Mittelalter-Fest, das im Juli in der Festung Sparrenburg veranstaltet wird (Sparrenburgfest). Im Mai findet am Marktplatz eine Handwerksmesse (Leineweber-Markt) statt, wo man handgemachte Souvenirs kaufen und an Volksfesten, Konzerten im Freien und Shows teilnehmen kann. Im September lädt Bielefeld zu einem Weinfest und im Dezember - zum traditionellen Weihnachtsmarkt ein.
Das Provinziale Bielefeld ist wirklich ein magischer Ort. Die Grenzen zwischen der Gegenwart und der Geschichte scheinen nicht zu existieren. Man kann durch die Hektik eines kleinen belebten Platzes, Massen von Touristen und dem Haus Crüwell und der Marienkirche umgeben sein und ein Bier unter den Linden, in einem belebten Straßenrestaurant genießen. Und im Nu kann man sich in einem dunklen Teutoburger Wald verstecken, der auf einem Hügel am mächtigen uneinnehmbaren Turm und mittelalterlichen Bastionen liegt. Sicher ist eins: Bielefeld ist nicht nur da, sondern lockt auch an und fasziniert.