Die archäologischen Funde beweisen, dass die Siedlung auf dem Platz der heutigen Stadt bereits in der Jungsteinzeit entstand. Anfang des 12. Jahrhunderts galt Neumarkt als eine Handelskreuzung auf dem Weg zwischen Nürnberg und Regensburg. Diese Rolle der Siedlung hatte eigentlich zum Name «Neumarkt» beigetragen. Die Siedlung wurde zum ersten Mal in der Chronik im Jahre 1135 erwähnt. Im 13. Jahrhundert hatte der Kaiser Friedrich II. Neumarkt den Status der Stadt und dazu das Recht auf die Erhebung von Zollgebühren verliehen. Die Stadt hatte jedoch keine Zeit gehabt, sich das Recht zunutze zu machen, da sie im Jahre 1329 unter der Herrschaft vom Haus Wittelsbach fiel und ihre Selbstständigkeit verlor.
Vom 15. bis 16. Jahrhundert diente Neumarkt als die Residenzstadt der Grafschaft Oberpfalz. Die Blütezeit der Stadt ist mit dem Graf Johann von Pfalz-Neumarkt verbunden, als dieser seinen Regierungssitz dort gründete. Genau zu seiner Herrschaftszeit wurden in Neumarkt die St.-Johannes-Kirche, die Hofkirche und das Pfalzgrafenschloss errichtet. Sie gelten heute als die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Altstadt. Einige Generationen später kam der Graf Friedrich II. zur Macht. Er verlegte seinen Hof nach Heidelberg. Dadurch hatte Neumarkt seine Rolle allmählich verloren und für lange Zeit mit seiner Entwicklung aufgehört. Als im Jahre 1806 Bayern zum Königsreich wurde, erhielt Neumarkt den Status der königlichen Stadt Bayerns und diente als Sitz des Landgerichts. Im 19. Jahrhundert hatte das Wiederaufleben der Stadt angefangen, diesmal jedoch als Handelszentrum. Der Bau des Ludwigkanals, welche den Rhein und die Donau vereinigt, zog tausende neue Bürger in die Stadt. Im Jahre 1884 wurde in Neumarkt die erste in Kontinentaleuropa Fahrrad-Fabrik namens «die Express Werke» eröffnet. Im Jahre 1922 entstand die Bleistiftfabrik «Ebernard Faber». Diese Marke existiert noch heute und unter ihr werden die vielfältigen Papier- und Schreibwaren hergestellt. Einen Besuch wert ist auf jeden Fall das unikale Automobilmuseum für historische Modelle der Marke Maybach.
Aus kulinarischer Sicht ist die Stadt natürlich durch ihre reichlichen bayerischen Spezialitäten interessant. Besonders beliebt ist dort die Weißwurst, welche perfekt zum bayerischen Bier passt. In Neumarkt kann man aber nicht nur die schmackhafte Weißwurst probieren, sondern auch selbst zubereiten. Im jahre 2007 hatte dort der kreative Koch Norbert Wittmann die Weißwurst-Akademie gegründet. Dort wird den Kursteilnehmern beigebracht, wie die Weißwurst richtig zuzubereiten ist, was dazu anzurichten ist und wie man eine Wurstsorte von einer anderen zu unterscheiden hat. Zum Abschluß der Lehre wird sogar ein spezielles Teilnahmezertifikat ausgehändigt. Wittmann behauptet, dass er die Weißwurst zweimal täglich außer Sonntags isst. Vor einiger Zeit hatte er auch das Metzgerei- und Weißwurstmuseum eröffnet. Dort ist die Geschichte der beliebten Weißwurst sowie auch die Evolution der Ausrüstung, welche zu verschiedener Zeit zur Herstellung diente, nach zu verfolgen. Kurzum lässt sich sagen, dass man in Neumarkt bestimmt ein Auge für Weißwurst hat und diese Kenntnisse gerne weitergibt!
Die Einwohnerschaft Neumarkts beträgt heute etwa 40 Tausend Menschen. Es gilt zwar als eine Kleinstadt, zieht aber dennoch Touristen mit ihrer Geschichte an. Laut einer Sage verbrachte in Neumarkt der legendäre mittelalterliche Raubritter Eppelein von Gailingen seine letzten Tage. Im Jahre 1371 wurde er in Nürnberg gefangen und zum Tode durch Erhängen verurteilt. Da er adeliger Abstammung war, hatte er das Recht, seinen letzten Wunsch zu äußern. Er fragte nach der letzten Runde auf seinem Lieblingspferd. Sein Wunsch wurde erlaubt und kaum als er auf Pferd stieg, stürzte er sich zur Burgmauer und überwindete von dort aus den 15 Meter breiten Graben. Er verbrachte einige Jahre auf der Flucht, wurde jedoch wieder gefangen genommen und zum qualvollen Tode durch Rädern verurteilt. Die Hinrichtung fand in Neumarkt vor aller Augen statt. Als eine Erinnerung an dieses traurige Ereignis dient die in Neumarkt installierte Stelle. Sie ist in Form eines stilisierten Rades mit dem eingravierten Namen und dem Todesdatum des sogenannten «bayerischen Robin Hoods» aufgestellt. Es ist interessant, dass im 20. Jahrhundert die Geschichte eine überraschende Fortführung bekam. Im Jahre 1998 hatten nämlich die Beamten des Stadtarchivs herausgefunden, dass Nürnberg Neumarkt 710 Heller (damalige Währung) für die Arbeit des Henkers nie bezahlt hatte. Im Wandel der Zeit und mit Zinsen erreichte «die Schuld» so gut wie 84 Billionen Deutsche Mark! Der Scherzscheck wurde nach Nürnberg geschickt und die damalige Oberbürgermeisterin hatte einen einzigartigen Ausweg gefunden. Während einer landwirtschaflichen Messe kam sie nach Neumarkt mit einer Truhe voll mit Schokoladentalern, die als die sogenannte Auszahlung «der alten Schuld» diente.
Das jährliche heitere Jura-Volksfest findet in Neumarkt im August statt und dauert 11 Tage. Es entstand im Jahre 1830 als «eine Filiale» des münchner Oktoberfests, wurde aber mit der Zeit zu einem selbstständigen Fest. Das Jura-Volksfest ist in Bayern sehr beliebt. Jährlich kommen dort etwa 300 Tausend Besucher. Das Programm ist sehr vielfältig. Am ersten Sonntag des Festes wird der Umzug bestehend aus mehreren Orchestern, Vereinigungen und zahlreichen Delegationen von verschiedenen Landesbehörden veranstaltet. Am letzten Tag findet die Pferdeschau statt. Das Fest endet mit einem herrlichen Feuerwerk.