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Dinkelsbühl: die Traumstadt auf der Romantischen Straße

Dinkelsbühl gilt als eine der wichtigsten «Verzierungen» der Romantischen Straße, die sich durch ganz Bayern erstreckt. In der Stadt spürt man überall den Atem der mittelalterlichen Geschichte. Die Straßen machen den Anschein, als würden sie zur Dekoration eines historischen Films gehören. Bereits im Jahre 1962, nachdem die Filmemacher das Lokalkolorit hoch bewertet hatten, beschlossen sie, dort die Amerikanisch-Deutsche Wiederverfilmung des weltberühmten Märchens der Brüder Grimm zu drehen. Der Film erhielt später einen «Oscar» für das beste Kostümdesign. Breite Marktstraßen, die düstere gotische Kathedrale, ungemein bunte Häuschen mit spitzen Dächern, geschmiedete Schilder sowie auch der elegante Weinmarkt werden wohl die Augen jedes Reisenden erfreuen...

Dinkelsbühl wurde zwar schon im Jahre 1130 gegründet, entwickelte sich jedoch erst im Jahre 1351 rapide, als die Stadt den Status der Reichsstadt erhielt. Damals wurde die Stadt durch die Wollproduktion und dem Handel mit Wolle reich. Außerdem tat sie sich durch den Kodex bzw. das Dinkelsbühler Recht hervor. Dieser Kodex wurde im Jahre 1536 verfasst und berührte verschiedene Lebensaspekte der Bürger der Stadt.

Schon seit langer Zeit ist Dinkelsbühl von den Stadtmauern umgeben, welche bis heute sehr gut erhalten geblieben sind. Im Jahre 1826 hatte der König Ludwig I. von Bayern sogar ein Dekret verabschiedet, nach dem es verboten wurde, die Stadtmauern von Dinkelsbühl abzureißen. Als die malerischesten Teile der Stadtmauern gelten das Nördlinger Tor und das Rothenburger Tor. Neben dem ersten Tor befindet sich die Grünanlage mit einem Teich und dem alten Faulturm, in dem man sich wunderbar nach einem Tag voller Besichtigungen entspannen kann. Über der Stadt ragt das Münster St. Georg aus dem Jahre 1499 heraus. Es gilt als die größte Saalkirche Deutschlands. Von der Spitze des hohen Kirchenturms aus ist eine herrliche Aussicht auf Dinkelsbühl mit seinen roten Ziegeldächern sowie auch auf die malerische Umgebung zu genießen. Touristen werden auch höchstwahrscheinlich auf das Alte Rathaus aus dem Jahre 1361 mit seiner schönen aber auch schlichten und strengen Fassade achten. Im Innern des Rathauses ist das Museum der Stadtgeschichte eröffnet, welches Details aus dem Leben der Stadt «erzählt». Das Neue Rathaus wurde im Jahre 1733 im Renaissance-Stil erbaut. An der Fassade sind die Figuren eines Adelrepräsentanten und eines Handwerkers, die eine Schriftrolle halten, zu erkennen. Auf der Schriftrolle steht ein Zitat aus dem offiziellen Richtungsbrief vom Jahr 1387, welcher erlaubt, Vertreter der Zünfte in den Stadtrat aufzunehmen.

Die bedeutendste Touristenattraktion in Dinkelsbühl ist der Platz «Weinmarkt» mit dem dort befindlichen Deutschen Haus – einem der schönsten Fachwerkhäuser ganz Deutschlands. Damals wurden in der Stadt oft Weinmessen veranstaltet, weil durch die Stadt der Handelsweg von den Nibelungen sowie auch die römische Handelsroute verliefen. Aufgrund dieser regelmäßigen Messen entstand auch der Name des Platzes. Wein ist dort immer noch ein Thema. Weinkenner behaupten, dass der Frankenwein im Bocksbeutel als ein guter Anlass zum festlichen Essen aber auch als ein tolles Geschenk an einen Freund dient. Die Preise für Wein sind ziemlich hoch, aber es lohnt sich auf jeden Fall. Als die besten Namen der Frankenweine gelten der Silvaner und der Bacchus aus dem Tal des Mains bzw. einer der höchst bewerteten deutschen Weinregionen.

Neben dem Wein gibt es in Dinkelsbühl interessante traditionelle Vorspeisen, wie beispielsweise Brotzeit. Die bekannteste von ihnen heißt  Pressack mit Musik und stellt den Pressack mit knusprigen «musikalischen» Zwiebelringen, Sauerkraut und Essiggurken dar. Das Brot dazu wird nicht unbedingt angerichtet. Die Würstchen aus verschiedenen Fleischsorten jedoch ohne Brot zu verzehren ist wohl ein Verbrechen gegen lokale Traditionen. Alle Arten von Blutwurst, Bierwurst, Stadtwurst werden dort immer mit einer groben bäuerlichen Scheibe des fränkischen Schwarzbrotes gegessen. Zum Mittagessen ist es in dieser Gegend üblich, eine kräftige Leberknödelsuppe mit großen Knödeln aus Rinderleber, Brot, Eiern und Gewürzen zu essen. Als eine leckere und herzhafte Alternative dient der traditionnele Kartoffelsalat. Zum Abendessen kann man gebratenen Karpfen, welcher in Franken sehr beliebt ist, probieren.

Das bedeutendste Ereignis im Kulturleben Dinkelsbühls ist das historische Fest namens «Kinderzeche». Es findet in der dritten Woche im Juli statt und dauert zehn Tage. Das Fest ist nicht nur in der Stadt, sondern in ganz Deutschland bekannt! Es ist mit einer Legende verbunden, laut welcher die Stadt im Jahre 1632 den schwedischen Truppen fast aufgegeben hatte. Sie haben jedoch die Stadt, nicht wie gewöhnlich zerstört, sondern verschont. Die hiesigen Kinder haben in der Tat in die Geschichte eingegriffen! Ein ganzer Zug von Kindern kam zum Stadttor um die Schweden um die Verschonung der Stadt und ihrer Einwohner zu bitten. Die Herzen der Krieger rührten sich und Dinkelsbühl blieb unbeschadet. Während der zehntägigen Feier verläuft durch die Stadt der Kindermarsch und seine Teilnehmer sind in altertümlichen Kostümen bekleidet. Verschiedene Tanz- und Musikgruppen mitsamt der Volkssänger treten während dieser Feiertage auf. Das leckere traditionelle Essen wird direkt über die Stände verkauft und den Kindern werden zahlreiche Süßigkeiten angeboten.

Noch ein wichtiges Stadtfest bzw. «das Leben in einer alten Stadt» findet im September statt und besteht aus einem kostümierten Umzug sowie Gruppenaufführungen. Der Höhepunkt des Festes ist ein Konzert des berühmten Knabenchors «Knabenkapelle Dinkelsbühl», welches weit über die Grenzen der Stadt bekannt ist. Im August verwandelt sich das alte Dinkelsbühl in eine junge Stadt. Dorthin kommen langhaarige junge Männer in Lederjacken und Frauen mit Gothic Make-up und schweren Schuhen. In der Stadt beginnt nämlich das Festival der Metalmusik namens «Summer Breeze». An diesem Festival nehmen viele berühmte Rock-Bands aus ganz Europa und Amerika teil.

Die Wandertour mit dem Nachtwächter, welche um 9 Uhr abends beginnt, wird wohl die Reise nach Dinkelsbühl ergänzen. Der Nachtwächter ist in einem mittelalterlichen Kostüm gekleidet und hat eine Hellebarde und eine Leuchte dabei. Er bläst ins Horn, singt ein Lied, umgeht alte Straßen, bewirtet die Touristen mit Wein und erzählt dabei alte Legenden. Nach der stimmungsvollen Nachtwanderung kennt man die Stadt wohl von einer anderen Seite aus und wird sie bestimmt nochmal besuchen.

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