Die Hafenstadt Kiel wurde bereits im 13. Jahrhundert nach dem Befehl vom Graf Adolf IV. von Holstein gegründet. Nur einige Jahrzehnte später wurde die Stadt in die Deutsche Hanse aufgenommen. Dänemark, Österreich und Preußen haben das Interesse an die Stadt wegen ihrer guten geografischen Lage am Ufer der Kieler Förde gezeigt aber Deutschland hat geschafft, die Kontrolle über die Stadt zu erhalten. Die Gründung des Flottenstützpunktes hat zum wesentlichen Wachstum der Stadtbevölkerung zum Ende des 19. Jahrhunderts beigetragen.
Als das älteste von den in Kiel erhaltenen Gebäude gilt die Nikolaikirche aus dem 13. Jahrhundert. Die Kirche wurde zwar im gotischen Stil erbaut, die spätere Rekonstruktion jedoch hat der Fassade das neogotische Aussehen verliehen. Im Innern der Kirche steht ein Altar aus dem 15. Jahrhundert sowie auch ein Ambon aus dem 18. Jahrhundert, die einen Besuch wert sind. Beeindruckend ist auch die neben der Kirche befindliche originelle Engelstatue aus Bronze. Der Engel steht auf einem Wolf und hält ein Schwert in seiner Hand. Der Engel wurde von den Künstler des Expressionismus Ernst Barlach erschaffen und als «Geistkämpfer» bezeichnet. Neben der Kirche liegt die Holstenstraße, die als eine der längsten Einkaufstraßen Deutschlands gilt. Der Kieler Rathausturm wurde im Jahre 1911 am Ufer des kleinen Kiels und gegenüber dem Opernhaus errichtet. Der 106 Meter hohe Turm wurde übrigens nach dem Vorbild des Markusturmes in Venedig erbaut. Von der Aussichtsplattform des Turmes genießt man eine herrliche Aussicht über die Stadt. Es besteht auch die Möglichkeit, die Aussichtsplattform zusammen mit einer Führung zu besteigen.
Die Hauptsehenswürdigkeiten, wie auch die ganze Kieler Geschichte, sind mit dem Meer verbunden. Die Stadt befindet sich am Kiel Kanal, welcher seit bereits 120 Jahren die Nordsee mit der Ostsee verbindet. Deswegen wird er meistens in Deutschland als Nord-Ostsee-Kanal bezeichnet. Er ist einer der belebtesten Kanäle der Welt und steht dem Sueskanal und dem Panamakanal kaum nach. In Kiel fanden zweimal bzw. im Jahre 1936 und im Jahre 1972 die olympischen Wettbewerbe im Segeln statt. In der letzten Woche im Juni, seit schon 125 Jahren, empfängt die Stadt Tausende von Jachten. Dann findet dort nämlich die «Kieler Woche», die größte Segelregatta der Welt statt. Die besten Segelsportler der Welt und etwa 3 Millionen Zuschauer erscheinen jährlich zu diesem großen Festival, was es zum größten Sommerevent Nordeuropas macht! Außer den Wettbewerben werden im Rahmen des Festivals die Parade der alten Segler und modernen Kutter veranstaltet. Das Festival wird mit einem grandiosen Feuerwerk beendet. Man kann jedoch auch zu jeder anderen Tag Kiel besuchen, um die Aussicht auf den Kieler Hafen mit den schönen Kreuzfahrtschiffen zu genießen und leckere Meeresdelikatessen in einem der Restaurants auf der Kiellinie zu probieren.
Die traditionelle Küche Kiels konzentriert sich auf Fisch und Meerfrüchte. Im Mai wird entlang der ganzen baltischen Küste der Region Schleswig-Holstein der Weltfischbrötchentag gefeiert. Fischbrötchen sind die beliebteste Spezialität der Region. Es gibt dort die knusprigen Brötchen mit Aal, Makrele, Hering oder marinierten Lachs. Auf Wunsch kann man an diesem Tag das Fischwerk und die Räucherkammer mit Hilfe einer Führung besuchen und eine Runde mit einem Fischerboot fahren. Noch eine beliebte Spezialität sind die Kieler Sprotten, die über Buchen- oder Erlenholz geräuchert werden. Es gibt in Kiel auch die «Schokoladesprotten» bzw. das süße Souvenir für Leckermäuler in der gleich zu den wirklichen Sprotten aussehenden Verpackung. Die Feinschmecker sollten unbedingt in Kiel Austern, Krabben, Mollusken und die Kleine Maräne bzw. einen Fisch aus der Familie der Lachsfische probieren. Die kleine Maräne lebt in Gewässern mit einer hohen Wasserqualität. Das Süßwasser des Schleswig-Holsteinischen Sees passt da am besten für kleine Maräne. Vom Mai bis zum September ist die kleine Maräne in den Menükarten aller guten lokalen Restaurants zu finden. Sie kann gegrillt, gedämpft geräuchert oder auch mariniert angerichtet werden. Außer der vielfältigen Auswahl von Fisch isst man natürlich gern in der Region den Holsteiner Katenschinken, der bereits seit mehreren Jahrhunderten nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland beliebt ist. Das Rezept ist immer noch das Gleiche wie damals. Der einzigartige Geschmack und die weiche Konsistenz des Schinkens werden durch das Würzen, Salzen und langdauernde kalte Räuchern über dem Buchenholz hervorgerufen. Das Reifen des ganzen Schinkens dauert bis zu 4 Monaten. Man sollte in Restaurants und Bars auf das Zeichen «Schleswig-Holstein...wo das Leben so gut schmeckt» achten. Das Zeichen ist nämlich ein Hinweis der Landesbehörde, dass mindestens 50% der Lebensmittel lokal hergestellt wurden. In der Region gibt es viele gute Restaurants und 16 von ihnen sind sogar mit dem Michelin-Stern ausgezeichnet. Fast zu jeder Zeit des Jahres findet dort eine Feier statt, die irgendwelchem Lebensmittel gewidmet ist. Im Mai werden Spezialitäten mit Lamm und im Juni mit Scholle angerichtet. Im Juli findet an der Küste die sogenannte «Kulinarische Meile», wo man draußen unter freiem Himmel kocht, statt. Im August sollte man unbedingt die Krabbensuppe probieren. Im September sind Gerichte mit Sauerkraut und Karpfen besonders beliebt und im Oktober wird Krabbe in verschiedenen Variationen wie zum Beispiel Krabbeneis und Krabbenpizza angerichtet.
Das Hauptevent des Kulturlebens der Stadt ist das Schleswig-Holstein Musik Festival. Während Juli und August spielen klassische und Jazzmusikanten in verschiedenen Kirchen, Konzerthallen, Schlössern und Parks. Als das bedeutendste Volkfest Kiels gilt das Biikebrennen. Es gibt Sagen darüber, dass man in der Region vor bereits 2000 Jahren damit angefangen hat, Massenlagerfeuer als ein Zeichen des Opferns für den Gott des Volksstammes der Friesen namens Wodan anzuzünden. Etwas später machten die hiesigen Frauen auch Lagerfeuer an der Küste und auf allen nahegelegenen Inseln, um den Weg für ihre Männer, die Wale fingen, zu beleuchten. Traditionsgemäß wird in Kiel am 21. Februar das Lagerfeuer angezündet, in welchem dann eine Strohpuppe verbrannt wird. Danach wird in Restaurants mit einem reichlichen Abendessen und heißem Punsch gefeiert.
Kiel ist im Sommer in jedem Fall einen Besuch wert, wenn man die Stadt mit all ihrem puren Charme genießen möchte. Die Regatta mit ihren herrlichen Seglern und eleganten Jachten begeistern einfach jeden, der sie besucht. Möchte man jedoch Kiel in Ruhe kennenlernen und genießen, sollte man die Stadt zu jeder beliebigen anderen Zeit des Jahres besuchen und einfach leckere Meeresdelikatessen in den lokalen Restaurants und dem schönen Blick auf den Kiel Kanal genießen.