In Rothenburg ob der Tauber scheint es, als ob die Zeit stehen geblieben ist. Das Stadtzentrum ist von den Bauten aus dem 17. Jahrhundert dominiert. Die kleinen Plätze und engen Gassen haben sich seit dem Mittelalter kaum verändert. Viele Spielzeugläden und Souvenirläden sind mit komplizierten vergoldeten Tafeln dekoriert. Plakate und Werbetafeln sind einfach verboten. Das ist der Grund, warum die Stadt von den Filmemachern so beliebt ist: es gibt keine Notwendigkeit, Zeit, Mühe und Geld zu vertreiben, um entsprechende Dekorationen aufzubauen. Hier können doch die Menschen von allen Seiten Dekorationen in Augenschein nehmen!
Die Geschichte der magischen Stadt begann vor mehr als 900 Jahren. Die Grafen von Combourg-Rotenburg bauten das erste Schloss auf dem Hügel in der Nähe des Flusses Tauber im Jahre 1070. Das Schloss ist nicht erhalten geblieben, denn es wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch den Erdbeben zerstört. Aber das Fehlen einer alten Festung hindert Rothenburg nicht daran, um eine fantastische Atmosphäre aufrecht zu erhalten. Diese Atmosphäre wird insbesondere vom Nachtwächter Hans Georg Baumgartner gefördert. Jeden Tag um 8 Uhr am Abend erscheint er auf dem Marktplatz vor dem Rathaus in einem Aufzug der Wache gekleidet mit breitkrempigen Hut und Laterne. Bei einem abendlichen Spaziergang mit dem Rothenburger Nachtwächter können sich die Touristen in die Vergangenheit zurückversetzen und die unglaublichsten Legenden hören. Die romantisch gelegene Stadt zu bewundern ermöglicht die Aussichtsplattform, die sich auf dem Rathausturm befindet. Insgesamt 220 Stufen – und die Stadt ist im Blickfeld!
Die Vitrinen der lokalen Cafés und Bäckereien locken mit «Rothenburger Schneebällen». Dieses Dessert wird aus Plätzchenteig in Form der Kugel zubereitet. Die Bälle werden auf Küchenkrepp gelegen und danach dick mit Puderzucker bestreuet, daher kommt auch der Name. Manchmal sind die Kugeln mit Schokolade und Nüssen beschichtet, oder es wird eine Füllung aus Marzipan hinzu gefügt. Das Rezept "Schneebälle" ist mehr als 300 Jahre alt. Ursprünglich wurde dieses Gebäck nur zu besonderen Anlässen gebacken, wie z.B. Hochzeiten, aber heute kann man es in jedem Café der Stadt verkosten. Und, natürlich, in den Restaurants gibt es die traditionelle bayerische Küche: Braten aus mariniertem Rindfleisch, Kartoffelpuffer, Apfelstrudel.
In Rothenburg behalten im Gedächtnis die Einheimischen fast magische Geschichte, die über die Ereignisse des 30-jährigen Krieges erzählt und «Der Meistertrunk» genannt wird. Nach der Belagerung der Stadt wollte Graf Tilly die Stadt brandschätzen lassen. In ihrer Not boten ihm die Ratsherren als Willkommenstrunk Wein in einem prachtvollen bunten Glasbecher dar, der 3 1/4 Liter fasste. Tilly wurde dadurch milde gestimmt und sagte, wenn jemand diesen Becher voll Wein in einem Zuge austrinken könne, würde er die Stadt verschonen. Altbürgermeister Georg Nusch meldete sich freiwillig und zu jedermanns Erstaunen gelang es ihm, den Becher in einem Zug zu leeren. Tilly war davon so beeindruckt, dass er die Stadt verschonte. Szenen aus dieser Geschichte werden zu Beginn jeder vollen Stunde im Marionettentheater vom 17. Jahrhundert auf der Fassade der ehemaligen Ratstrinkstube gesielt. Darüber hinaus organisieren die Stadtbewohner seit 1881 im Frühsommer pro Jahr einen Trachtenumzug, zur Erinnerung der wundersamen Rettung der Stadt.
Die Bewohner der Stadt sind im Allgemeinen Experten für Feiertage. Zum Beispiel im August sammeln sich alle auf dem „Grünen Markt“. Es gibt hier viele Restaurants, und Weinhersteller legen etwa 70 lokalen Weinenarten vor. Besonders erfolgreich sind die klassischen Weinarten Silvaner und Müller-Thurgau. Eine weitere Parade der Bewohner in historischen Kostümen findet am ersten Wochenende im September statt, wenn Reichsstadt-Festtage mit einem Fackelzug und Feuerwerk "läuten". Und, natürlich, kann kaum etwas mit der Schönheit von Rothenburg ob der Tauber im Dezember verglichen werden. Zu dieser Zeit fasziniert die Stadt durch leuchtende Girlanden, Glocken und alle Arten von Weihnachtsschmuck! Alt-Rothenburger Reiterlesmarkt gilt als einer der schönsten im Land. Ein weiteres Merkmal ist, dass er das ganze Jahr über funktioniert! Aber im Dezember ist der Markt mit der Pre-Neues Jahr Stimmung noch mehr verführerisch und attraktiv.
Unsicher, aber wahr: im 17. Jahrhundert, der langwierige 30-jährige Krieg zwischen Katholiken und Protestanten half Rothenburg ob der Tauber "Dornröschen" zu sein und "Zeitzeuge" zu werden. Also, wenn man das mittelalterliche Deutschland, wie es Brüder Grimm beschrieben, sehen will, wird diese fabelhafte Stadt alle Erwartungen übertreffen!