In der Chronik von Ludwigsstadt gibt es wohl keine großen Kämpfe, gruselige Legenden und Hinweise auf Heimstücke, an der die mittelalterliche Geschichte üblicherweise so reich ist. Ab dem 13. Jahrhundert und bis zum heutigen Tag gilt sie als eine ruhige kleine Stadt mit standfesten Regeln und Traditionen. Mehrmals am Tag fährt der Express von Berlin nach München und zurück über die elegante Trogenbachrücke (oft auch genannt als Trogenbachviadukt). Sonntags versammeln sich die Einwohner für den Gottesdienst in der alten Pfarrkirche St. Michael, welche mit Fresken aus dem 15. und 16. Jahrhundert verziert ist. Alle zwei Jahre im Sommer findet in der Burg Lauenstein das bunte Burgfest mit musikalischen Vorstellungen, Ritterturnieren und Verkostungen des lokalen Bieres statt.
Ludwigsstadt besteht in der Tat aus mehreren Dörfern. Die Stadt selbst wird von den Eingesessenen als das Hauptdorf bezeichnet. Um die Stadt herum befinden sich Ebersdorf, Lauenstein, Lauenhain und Steinbach an der Haide, welches mehrere Jahre nacheinander den Titel des « Golddorfs» auf den lokalen Wettbewerben erhielt. Zwischen diesen Orten befinden sich Wander- und Radwege. Während der Wanderungen in der warmen Jahreszeit ist es sehr angenehm, die in der Ferne blau schimmernde Landschaft des berühmten Frankenwalds und die ruhigen grünen Täler mit ihren weißen Häuschen zu bewundern.
Neben den Bausehenswürdigkeiten und der schönen Landschaft werden sich Touristen an der bayerischen Küche und dem Frankenwein in Ludwigsstadt erfreuen. Zum Wein wird dort traditionell der Fränkische Zwiebelkuchen mit Gewürzen und saurer Sahne angeboten. Den Einwohnern sind auch die lustigen runden Schneeballen von Bedeutung, die sie manchmal liebevoll als Storchennester bezeichnen. Man isst dort natürlich sehr gerne auch Schweinefleisch! In den Menüs der lokalen Restaurants findet man immer gebratene Schweineschulter – das Schäufele, welches mit einer Beilage aus geschmortem Kohlrabi, saurem Kohl und anderem Gemüse angerichtet wird. In der Gegend isst man auch gern den in einem frischen Bier gebackenen Karpfen, dessen Rezept Aischgründer Karpfen heißt.
Eine besondere Touristenattraktion in Ludwigsstadt ist das einzigartige Schiefervorkommen. Dort kann man eine Rundführung auf der so genannten «Schieferroute» im industriellen Komplex «Geopark Schieferland» machen. Einst diente der Komplex als ein großes Industriezentrum, der nicht nur der Ruhm und Stolz von Ludwigsstadt, sondern auch von der ganzen Grafschaft Kronach war. Dort werden Schiefer, Diabas und Kalkstein abgebaut. Die fünf Meter lange Route des Geoparks verläuft durch die interessantesten Orte in Bezug auf die Geschichte und die Geologie. Im Vorbeilaufen kann man die Gesteinsaufschlüsse sehen sowie sich auch über die Phasen der Gewinnung von Schiefer informieren. Am Ende der Tour besucht man das Schiefermuseum. Zudem kann man sich dabei davon überzeugen lassen, dass aus diesem Gestein auch sehr stilvolle Dekorationselemente hergestellt werden können. Um eine Vorstellung vom Ausmaß der Schiefergewinnung zu erhalten und die wunderschöne bayerische Landschaft zu bewundern, sollte man unbedingt den Turm «die Thüringer Warte» besteigen. Der Monumentalbau erhebt sich auf dem Hügel Ratzenberg. Von einer Höhe von mehr als 700 Metern aus ist ein atemberaubender Panoramablick zu genießen.
Ludwigsstadt überrascht wohl mit seiner Vielfalt. Neben dem Schiefer und den Wanderwegen gibt es dort die Profanierte Marienkapelle aus dem 14. Jahrhundert. Dieser bescheidene Rundbau mit der Fachwerkmansarde «umarmt» sich mit alten Bäumen. Ein Stückchen entfernt, auf dem gleichnamigen Hügel, steht die alte Burg Lauenstein, über deren Gängen nach wie vor die sogenannte Weiße Frau — Katharina von Orlamünde wandert...